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Forum für hermetische Kunst und Kultur & Astrosophische Praxis
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Vom öffentlichem Geheimnis
Liebe Leserinnen, liebe Leser,
der Sommer neigt sich allmählich dem Ende zu und findet mit der Herbst-Tag-und-Nachtgleiche im September seinen Abschluß. Lebt man mit dem Jahreslauf und betrachtet man die Symbolik des äußeren Geschehens als Allegorie für die geistigen Erfordernisse des geistigen Weges, beginnt gleichfalls mit dem Herbst wieder eine Phase der Verinnerlichung, in der der Mensch sich den Sinnfragen des Lebens zu stellen vermag.
In allen Kulturen wurden Herbstfeiern abgehalten, welche das Ende des äußeren Zeitabschnittes dankbar und freudig feierten, um sich danach den Notwendigkeiten des kommenden Winters zu zuwenden. In den alten Riten naturbezogener Gesellschaftsformen, oder auch heute noch in manchen ländlichen Regionen, feierte man ursprünglich die Erntedankfeste aus Freude, dass das Korn des Feldes, sowie die Baumfrüchte reichlich gewachsen waren und unversehrt in die Speicher und Scheunen gelangt waren. Damit war die Vorsorge für das Überleben im Winter getroffen und man konnte getrost der kalten Jahreszeit entgegensehen.
Der in der heutigen Hochtechnisierung lebende Mensch hat aufgrund des Lebensstandards den direkten Bezug zu den alten Lebensnotwendigkeiten verloren. Für ihn werden aufgrund von Treibhauszucht und Gefriertechnik sowie des Importwesens die Fragen, wie er durch den Winter kommt, nicht drängend. Doch gibt es die Notwendigkeit der Vorsorge auch auf einer anderen Ebene, wie sie einst in der konkreten Nahrungsbeschaffung bestand. Die freudigen Herbstfeiern entstanden aus der Erleichterung, dass der Mensch sich in Sicherheit wog vor dem einbrechenden Winter. Eine ähnliche Vorsorge lässt sich auch innerhalb des Lebens, nämlich auf dem geistigen Weg bewerkstelligen. Der Winter drängt die Menschen mit seiner Unwirtlichkeit in die Innenräume, was auf einer vergleichbaren Ebene bedeutet, dass diese Zeit die Menschen nach innen zu ihren Seelenräumen führen kann. Der Herbst richtet die menschliche Außenorientierung wieder nach innen.
Im christlichen Kirchenjahr feiert man in dieser Zeit das Michaeli-Fest zu Ehren des Erzengels Michael, da dieser den Drachen der Finsternis besiegt hat. Sicher fragt man sich, wenn im Herbst die Zeit der Finsternis und der längsten Nächte beginnt, weshalb man ein Fest feiert in Angedenken des Sieges über den Drachen der Finsternis. Aus geistiger Sicht ist die Außenorientierung der Menschen, die sich alleine auf die subjektiven Lebensbelange konzentiert, sowie auf die unreflektierte Freude am Sein und dessen Erhaltung, gleichzusetzen mit der Finsternis. Die Finsternis entspricht im geistigen Sinne der Ausrichtung des Materialisten auf die formalen Dinge dieser Welt. Michael besiegt im Mythos die bindenden Fesseln des Stoffes, er überwindet die subjektiven Ich-Kräfte und stellt sich dem eigenen Schatten. Metaphorisch nimmt er damit eine Arbeit auf, die zur Veränderung seiner Selbst führt. Denn wer sich mit der Welt unter einem anderen Gesichtspunkt auseinandersetzt und sie als die Ausgeburt der unbewussten Kräfte des Menschen versteht, verleiht dem Leben eine ganz andere Bedeutung, da es ihm nicht mehr zur alleinigen Selbsterhaltung dient, sondern zur Selbsterkenntnis. Das Michaeli-Fest ist damit eine Erinnerung an die Notwendigkeit der Rückbindung, die nach dem Sommer nötig ist, denn nach soviel äußerem Wohlleben und Weltenzauber vergißt der Mensch leicht, dass es in seinem Leben noch andere Notwendigkeiten gibt, denen er sich zuwenden sollte. Der Herbst erinnert den Menschen an das innere Leben dem er sich nicht nur allein in der dunklen Jahreszeit zuwenden sollte, sondern auch im zunehmenden Alter. Denn der Herbst in der Natur gleicht in der menschlichen Existenz dem Lebensherbst, der ab dem zweiundvierzigsten Lebensjahr beginnt.
Mit dem Überschreiten der Lebensmitte sollte sich der Mensch auf die Suche nach anderen Inhalten machen, damit er im Winter seines Lebens auch seine geistige Kornkammer gefüllt hat, um am Ende seines Daseins, seinem Leben durch Vergeistigung die Krone aufzusetzen. Die Sonne durchläuft in einem Jahr einmal den energetischen Ring der zwölf Tierkreiszeichen. Diese sind symbolische Urbilder, das heißt, die Sonne durchwandert jedes Jahr zwölf verschiedene Stationen mit unterschiedlichster Bedeutung. Die einzelnen Abschnitte bezeichnet man als Sonnenqualitäten. In frühren Kulturen symbolisierte die Sonne stets das göttliche Prinzip. Die kosmische Ganzheit spaltet sich also in zwölf Teilaspekte, die sich wiederum in einer Vielzahl von Manifestationen in der materiellen Schöpfung ausdrücken: Jede noch so kleine Faser spiegelt eine Idee wider. Die Themen der Tierkreiszeichen ähneln denen, die sich alljährlich zyklisch im Geschehen der Natur (der nördl. Breitengrade) entdecken lassen. Jedes äußere Geschehen ist Ausdruck eines Prozesses, der gleichfalls auf der seelischen Ebene eine Gültigkeit besitzt. Die verschiedenen Stationen des Jahres mit ihren Stimmungen, ihren markanten Punkten (wie den Sonnenwendfeiern) und der darin enthaltenen religiösen und mythologischen Bedeutung, verbinden den Menschen mit dem Geist hinter den Formen der Natur. Goethe bezeichnete das Naturschauspiel als "öffentliches Geheimnis". Dieses offene Geheimnis, leider kaum beachtet, kann es dem Menschen erleichtern, die vielen Stationen seines Lebensweges erkennend zu meistern. Es kann ihm helfen zu verstehen, weshalb bestimmte Prozesse und Verläufe innerhalb seiner Existenz zwingende Notwendigkeit besitzen.
Jeder Mensch wird in einen Abschnitt des Jahreslaufes mit ganz spezifischen Inhalten hineingeboren. Die zur Geburt des Menschen existierende Zeitqualität beinhaltet in einem einzigen Moment die Gesamtheit seines Lebensmusters, die sich im Laufe des Lebens in ihrer vollen Dimension ausformt undes erforderlich werden lässt, dass ihre spezifischen Inhalte bewusst verinnerlicht werden. Die zwölf Urqualitäten werden in jedem Horoskop symbolisiert. Sie gehen dort auf verschiedenen Ebenen mannigfache Variationen ein, aus denen man differenzierte Aussagen über das Muster eines jeden Menschen oder einer bestimmten Zeitqualität ableiten kann. Bereits das einfache Verständnis der symbolischen Bedeutung der zwölf Urqualitäten führt zu einem hohen Maß an Einsicht in den Zusammenhang kosmischer Gesetze in bezug auf konkrete Lebensabläufe und die Stationen des geistigen Weges.
Betrachtet man auf diese Art und Weise die Welt, beginnen sich die einzelnen Facetten aufzuschließen. Denn das Wissen darum, dass jede äußere Form immer im Zusammenhang mit der Seele des Menschen steht, ist das A und O des Weges. Alles läßt sich ableiten, und wer versucht, die Zusammenhänge in einem anderen Licht zu sehen, vermag auf jeder Ebene die eine Wahrheit in allen Manifestationen zu entdecken. Fortan erkennt man, dass nichts mehr rein "zufällig" geschieht, sondern alles erhält eine besondere Bedeutung.
Seelische Zusammenhänge erkennen lernen
Das Jahr beginnt mit dem Frühling; der Mensch ist optimistisch gestimmt, denn die Seele weiß darum, dass der schönste Frühling der ist, den wir in uns tragen, den man als den geistigen Frühling bezeichnen kann. Die Aufbruchsstimmung in der Natur stellt sich auch beim Menschen ein, wenn er bereit ist, sich geistig zu verändern und sein Leben erneuernd, facettenreich zu gestalten. Der Frühling gleicht in seinem immer wiederkehrenden Rhythmus einer sich vor den Augen des Menschen vollziehenden Schöpfungsgeschichte. So wie die Sonnenkräfte in der Natur stetig zunehmen, entspricht die große Sonne als Zentralgestirn sinnbildlich der im Menschen leuchtenden Geistessonne als kosmischer Funken in jedem Lebewesen. Auf einer analogen Ebene ordnet man in der Astrosophie dem feurigen lebensspendenden Prinzip der Sonne das Gold zu. Es symbolisiert hier ein reines Kraftgefäß mit seinem beständigen Leuchten, dessen Strahlen, die sichtbaren wie die unsichtbaren, alles stets energetisch am Leben erhalten, genau wie die Sonnenstrahlen auf der Erde alles am Leben erhalten. Im Menschen entfachen die leuchtenden Kräfte des Goldes die Fähigkeit, das geistige Vermögen, vom Instinkt bis zum kritischen Verstand, vom einfachen Gefühl bis zur hohen Vernunft, nach Kräften zu schärfen.
Gold - der Motor des Lebens
Das Gold (Sonneprinzip) ist der Motor allen Lebens, es bringt Heiterkeit und Dynamik als notwendige Lebensenergie hervor. Ebenso entsteht im Leben des Menschen ein freier energetischer Fluss, wenn er sich darum bemüht, die an sein Sonnenzeichen gebundenen Aufträge zu verwirklichen. Sucht man nach dem Wesen der Leichtigkeit im Golde, dann findet man, dass in ihm, in Verbindung mit dem Merkurprinzip, jenem vibrierenden Quecksilber, das Lebensagens als luftiges neutrales Prinzip vertreten ist. Auf der materiellen Ebene ist der Merkur (als Sauerstoff) frei in der Erde enthalten, auf einer körperlichen Ebene im menschlichen Blut. Im Menschen weckt dieses Prinzip den Wunsch, sich vom trägen Dasein zu erheben, und bringt die nötige Verbindung, die zum Austausch, zur Bewegung und somit zum Geben veranlaßt.
Merkur der Lebensatem
Das luftige Merkurprinzip weist die Wege, lockt und winkt, heraus ins Ganze, ins Mannigfaltige zu treten. Er treibt die Wasser um, er hebt sie sprudelnd aus dem Boden, er jagt den Puls und bringt Nerven zum Vi-brieren, es drängt den Menschen in seiner beweglichen Silbrigkeit nach oben, zum Sonnenschein, zur Reinheit des Sulphur. Dort findet auch er Ruhe vor der ewigen Vergänglichkeit, er, der den Menschen zur Neugierde und zum Schaffen antreibt und so ein echter Quirl für die Vielfältigkeit ist. In der Alchimie wird der Merkur der "Inswerksetzer"genannt. Er ist der unumgängliche Beweger, das wahre Faktotum in unserem Leben, das Wesentliche in der hermetischen Philo-sophie. Nicht umsonst wird Hermes (Merkur) der Götterbote genannt, da er uns das Beste, den geistigen Odem vermittelt und somit den Menschen auf einer geistigen Ebene am Leben erhält, genau wie der Atem das Fahrzeug der Seele ist, mit dem die Seele kommt und wieder geht und darüber hinaus den Organismus am Leben erhält.
Das Salz des Lebens
Damit sich das Schöpfungswerk, wenn es Form wird, harmonisch fügt und nicht auflöst, braucht es das Salz (Saturnprinzip). So wie der Körper den Knochenaufbau benötigt, ohne dessen Halt und Struktur kein Leben möglich wäre, braucht es die materielle Form der Welt, um in dieser Erfahrungen machen zu können. Salz ist ein Leiterprinzip, das die Energie zum Fließen bringt. Ohne Salz kann sich keine Energie aufschlüsseln. Man denke an die energetisierende Salzluft am Meer oder an die physikalischen Versuche im Labor, in denen Salz in Wasser gegeben wird, was dazu führt, dass ein unterbrochener Stromkreis mittels der Salzgabe zum Fließen gebracht wird und eine Lampe aufleuchten lässt. Salz gibt durch seine herbe Kraft die rechte Beständigkeit und Ordnung, die das allzu Lockere wieder an die Gesetze der Form bindet. Gleichzeitig schafft es die Bedingungen dafür, dass der Mensch beginnt, in seinem Inneren nach Ebenen zu suchen, die wesentlich mildere Formen aufweisen. Das Salz ist die Schatzkammer, die Aufbewahrungsstätte des Lebensodems. Es entzündet den Eifer des Menschen und erhält das Blut, auf dass dessen Kraft den Menschen gleichmäßig durchpulse.
Radium das geistige Licht
Das sublimierte, vergeistigte, essentiale Gold ist das Radium (Plutoprinzip) - jenes Prinzip des Wandels und des geistigen Wachstums. Jeder Mensch trägt davon bis zu drei Milligramm in sich. Wäre dies nicht der Fall, könnte der Mensch weder leben, atmen, reden, denken, noch sich immer wieder erneuern. Nur durch diesen Feinzusatz erhebt er sich vom Boden und kann stehen. Radium gleicht den Fäden einer Marionette, an denen wir uns durch das Leben bewegen und nach dem Licht streben. In der Natur ist es jene Triebkraft, die jeden Halm, das Gras, die Pflanzen und Bäume nach oben wachsen und sich entfalten läßt. Gesund sein heißt, gesondet, gesondert und gesonnt sein - dieses dreifache Gut schenkt der Sonnenstrahl von oben her und die Essenz der Strahlkraft (Radium) von unten auf. Wie die Sonne dem menschlichen Sein und auch der Erde erst die zündende Lebensfähigkeit verleiht, so bewirkt dies die Goldessenz in den Tiefen der Erde. Die ganze Mineralasche, die wir Stein und Erdreich nennen, könnte ohne den alles kittenden, zähweichen Grundstoff des Goldes, der in allerfeinster Zerteilung den Grund durchtränkt, nicht das Geringste produzieren. In jedem Grashalm, in jedem Trieb ist Gold samt seinem Herold, dem Merkur, enthalten. Alles, was in der Natur glänzt, und sei es nur einfacher Kies, erzählt von den darin lebenden Goldatomen. Und was die Sonne den Lebewesen gibt, ist Licht aus dem glühenden Schwefelgas, Licht als die allerfeinste Goldessenz, gemessen an den unvorstellbaren Energiestrahlen der flammenden Ursonnen. Die Sonnenprotuberanzen lassen Phosphor auf den Globus rieseln, der sich in den Sümpfen manchmal als leuchtende Irrlichter manifestiert. Auch dieser Phosphor ruht im Menschen, und der Mensch kann mit fortschreitender Vergeistigung immer weniger auf ihn verzichten, denn er bereitet die subtile Nervenmaterie neu vor, um den Lichtstrahl des Denkens und der göttlichen Vernunft in uns bewusst zu erfassen, um diesen wieder durch Erkenntnis zu Gold zu machen.
Jede Form der Naturforschung, die den Menschen mit dem Kosmos um und in sich verbindet, verhilft seinem fragenden und suchenden Geist dazu, eine Hülle nach der anderen vom Dunkel zu heben. Und gerade, dass wir es können, dass wir Stück für Stück vordringen können und dass uns dabei immer wieder ein Edelstein echter Erkenntnis in die Hände fällt, ist der schlagendste Beweis, dass wir selbst nicht nur das wahre Gold, sondern auch alle Reichtümer der allumfassenden Weisheit in uns tragen. Nie könnte der Mensch die Wesensessenz in den Dingen erkennen, nie würde er zur Weisheit gelangen, wenn nicht sein innerster Seelenkeim aus derselben Quelle entsprungen wäre wie die gesamte Natur - aus der Quelle, die man mit dem höchst vollkommenen Seinsbegriff, mit Gott, bezeichnet. Darum spricht auch die hermetische Urschrift, die Tabula Smaragdina, vom "wie oben - so unten", oder die christliche Tradition vom "wie im Himmel, also auch auf Erden".
In der Erde liegt es, im Wasser leuchtet es und die Luft haucht es uns zu!
Die Astrosophie ist ein System, um die Zusammenhänge von Kosmos, Natur und Mensch zu beschreiben. Sie erfaßt den Kosmos, die Welt und den Menschen als einen großen zusammenhängenden lebendigen Organismus. Mit dieser geistigen Haltung, welche die vielen einzelnen Aspekte des Seins nicht mehr separiert, sondern zu einem einzigen großen Organismus miteinander verbunden sieht, betrachtet sich der astrosophisch Schauende als einen Bestandteil des Ganzen. Der Mensch lernt auf seiner Suche nach Vollkommenheit, mit der Unterstützung der Astrosophie die nötigen, ihm fehlenden Bewusstseinsinhalte zu erkennen und schrittweise in seine Identifikationsarbeit einzubeziehen. Diese fehlenden Anteile begegnen ihm in seinem Leben in Form von Schicksalseinbrüchen, Symptomen und Begegnungen. Der Mensch wird über diese immerzu in einen Dialog verwickelt, dessen Sprache er mit der Astrosophie verstehen lernen kann, denn sie enthält den nötigen symbolischen Erkenntnisschlüssel zu den verschiedensten Aspekten des Seins. Sie vermittelt die Fähigkeit, in einen Dialog mit dem Leben zu treten, um die notwendigen Wachstumsschritte im Bewusstsein vollziehen zu können.
Wenn man diesen Anspruch kennt, dann versteht man, dass es weder um Prognosen noch um das Hinwegstehlen aus der Verantwortung für das eigene Schicksal geht. Die Astrosophie kann den Menschen in Kontakt bringen mit dem verborgenen Sinn seines Lebens. Sie liefert den Schlüssel, ohne den ein Dialog mit dem Metaphysischen nicht möglich wäre. Das zentrale Anliegen der Astrosophie ist es, die miteinander verbundenen Ebenen aufzuspüren und die Vielfalt der äußeren Formen zu sortieren, um sie in ein überschaubares Ideenraster einordnen zu können. Dabei verfährt man nicht nach dem üblichen weltlichen Bedürfnis, die Unterschiedlichkeit der Dinge herauszustellen, sondern man versucht, Ideengleichheiten hinter den Formen zu entdecken. Man sucht hinter dem Blendwerk der Vielfalt eine einheitliche verborgene geistige Idee. Denn jede Begebenheit, jeder Zusammenhang innerhalb der materiellen Welt hat für den Menschen auch eine geistige Entsprechung. Man könnte die Materie als in die Form geronnenen Geist bezeichen, der äußerlich das beschreibt, was auch im Bewusstsein des Menschen geschehen sollte. Damit erhält die Außenwelt einen ganz anderen Stellenwert und man beginnt, den Sinn wieder in den Formen zu entdecken. Das Wissen um die zusammenhängenden Ebenen macht es möglich, durch Beobachtung bestimmter Geschehnisse von der einen Ebene Rückschlüsse auf eine andere Ebene der Wirklichkeit zu ziehen.
Dies gilt sowohl für statisch existierende Begebenheiten der Welt, Naturgesetze, Wirkungen und Reaktionen bestimmter Stoffe untereinander, gesellschaftliche Veränderungen, als auch für aktuelle Begebenheiten in der Welt und deren Abläufe. Sie stehen immer im direkten Bezug zum Menschen und was im Außen geschieht, geschieht auch gleichzeitig im Inneren des Menschen. Im Vordergrund der Bemühungen sollte in der astrosophischen Auseinandersetzung mit dem Geburtsmuster an erster Stelle das Betrachten des eigenen Lebensmythos stehen, der häufig in der Erleidensform die nicht erkannte Ganzheit des Menschen verbirgt. Dazu ist es erforderlich, sich ein Stück weit aus der Verhaftung von den leidhaft prägenden Lebenssituationen zu lösen. Denn je größer der Abstand zum Geschehen ist, desto größer ist auch die Erkenntnisperspektive, die sich dem Menschen eröffnet.
Mit der Geburt wählt die menschliche Seele eine gerade herrschende Zeitqualität, die eine zentrale inhaltliche Thematik in sich trägt, in der sie besondere Erfahrungen zu machen vermag. So prägt die Seele das Geburtsmuster des Menschen in den unterschiedlichsten Formen aus, gemäß der Gleichung:
Geburtsmuster + Bewusstsein + Zeit = Schicksal.
Wie sich das vollzieht, läßt sich sehr schön an den unterschiedlichen Jahreszeiten ableiten. Diese Stimmungsqualitäten spiegeln sich im Inneren des Menschen und um ihn herum in allen erdenklichen Facetten wider. Wie eingangs beschrieben wird dieser Ablauf durch den Tierkreis, der das Jahr in zwölf unterschiedliche Abschnitte einteilt, symbolisch dargestellt. Die zwölf Urqualitäten finden in jedem Geburtsmuster auf den unterschiedlichsten Lebensbühnen ihren Ausdruck, so dass man ganz differenzierte Aussagen über das Geburtsmuster eines jeden Menschen machen kann. Schon das einfache Verständnis der symbolischen Bedeutung der zwölf Sonnenqualitäten führt zu einem hohen Maß an Einsicht in die konkreten Lebensabläufe und Zusammenhänge.(Literaturempfehlung: Randolf M. Schäfer: Astrologie - die Symbolik entschlüsseln, Urania Verlag)
Der Jahreslauf ist zugleich eine Wanderung durch den Tierkreis. Wenn man die Symbolik des Jahreslaufes auf die Lernthemen eines Menschen überträgt, beginnt man zu erahnen, warum dieser sich immer wieder mit ganz spezifischen Situationen auf verschiedenen Ebenen auseinandersetzen muß.
Vereinfacht dargestellt kann man zum Beispiel formulieren: Wenn das zentrale Lernthema eines Menschen lautet, etwas über das Mysterium des Herbstes zu erfahren, mit seiner absterbenden Qualität des äußeren Lebens, der Hinwendung von der Außenwelt zur Innenwelt, so wird dieser solange November-Stimmung erleben, bis er aufhört, sich nach dem Hochsommer zu sehnen. Dies meint: Wenn der Mensch andere Ideen bezüglich seines Lebensverlaufes hat, wird ihn das Leben solange in jene Themen einschleusen, bis er das zu verinnerlichende Thema gelernt hat. Dies gilt natürlich auch für den umgekehrten Fall. Man könnte das am Bild des Frühlings beschreiben. Wenn das Thema der Geburt lautet: Lerne etwas über den Frühling, das Thema der Wiedergeburt allen Lebens, des Neubeginns und der authentischen Lebenswahrnehmung, der Mensch aber die Thematik des Winters, den Wunsch nach Rückzug und Stille, das Ruhen der Energien in sich trägt, wird er soviel quirligen Neubeginn, Dynamik und Energie um sich wiederfinden, bis das Eis in ihm zu schmelzen beginnt und das Außen ihn weich und flexibel gemacht hat. Hier besteht die Chance zu erkennen, dass das Leben aus Wandlung besteht und dass letztlich jede Veränderung einer statischen Fixierung zurück zur Lebendigkeit führt.
Mittels der symbolischen Betrachtungsweise der Astrosophie wird die Welt immer transparenter, man lernt, aus vielen Dingen Erkenntnisse zu filtern. Man lernt, sich bestimmten Themen zu widmen, die das Leben einem über Ereignisse und Schicksalsschläge nahezubringen versucht und man lernt zu erkennen, welche Bereiche man ganz gezielt und bewusst konfrontieren sollte. Mit der Astrosophie erfährt der Mensch die konkrete Welt als lebendig und zu ihm gehörig anzusehen und vermag dadurch zu erkennen, weshalb er in seinem Leben fortwährend in gleichgeartete Situationen hineingeführt wird, die ihm alle etwas zu vermitteln vermögen. Der Mensch hat die freie Wahl, weiterhin in seinem Leben verstrickt zu bleiben. Oder aber er nimmt den Dialog auf und beginnt zu ergründen, warum ihn in seinem Leben immer wieder ähnliche Situationen aufsuchen. Auf diese Weise beginnt er sein eigenes "öffentlichen Geheimnis" zu lüften.
Herzlichst
Ihr Randolf M. Schäfer
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