Randolf Schaefer

Forum für hermetische Kunst und Kultur
& Astrosophische Praxis



Verschlossene Türen öffnen

Liebe Leserinnen und Leser!

Sie brauchen nicht zu befürchten, dass dieser Artikel eine Alternative zum Schlüsselnotdienst sein soll, sozusagen ein Ratgeber, was zu tun ist wenn Ihnen einmal der Hausschlüssel abhanden gekommen ist und Sie ratlos vor Ihrer verschlossenen Eingangstüre stehen. Es ist mein Anliegen, das besonderes Erfordernis, der Öffnung gegenüber dem eigenen seelischen Inneren hervorzuheben.

Das Prinzip der Öffnung stellt auf dem menschlichen Entwicklungsweg eine wesentliche Erfahrung dar, da sie der Schlüssel zur inneren Erweiterung ist. Wer sich nicht in seinem Wesen zu öffnen vermag, für den wird nicht nur das Leben zu einem Schatten dahin schmelzen, er verliert auch die Anbindung zu der Quelle seiner eigentlichen Lebendigkeit. Aber wie kann man sich öffnen? Die meisten Menschen sehen die seelische Öffnung als eine Bedrohung an, haben Angst davor oder es verlernt, sich nach Innen zu wenden. Aus den Gesetzmäßigkeiten des Lebens läßt sich formulieren, dass es, entfernt vom bewussten Steuerungselement des Menschen zwei Öffnungformen gibt. Die Öffnung durch Liebe und die Öffnung durch Leiden. In beiden Varianten geschieht etwas, dass den Menschen in seinem harten Kern berührt, ja gar verändert und ihn wieder ansprachebereit macht gegenüber dem Umfeld, sowie neuen Lebensaspekten. Oder der Mensch kommt aus sich heraus und verläßt die sonst schützenden Hüllen seiner nach außen zur Schau gestellten Persönlichkeitsbilder. In beiden Erfahrungsbereichen geschieht etwas, aus dem der Mensch verändert hervorgeht. Er kommt mit den Wassern seiner Gefühle in Berührung, die seinem seelischen Keim entspringen. Diese weichen ihn auf und auf dem fruchtbaren Boden seiner verhärteten Wesensnatur, beginnt es nach einer gewissen Zeit lebendig und neu zu sprießen. Jenseits der von außen an den Menschen herantretenden Erfahrungen, kann der Mensch sich aber auch selber mit den wässrigen Gefilden seiner Seele in Verbindung bringen, die ihn nach einer gewissen Zeit der Hingabe durch Meditation und Verbindung mit den inneren Kräften gleichermaßen befruchtet.

Dies gilt selbstverständlich für beide Geschlechter, denn nicht nur die Frauen, sondern vor allem auch die Männer sollten die Kunst der Hingabe an ihre Seelennatur üben. Geistige Erkenntnisfähigkeit, ein bildhaftes Vorstellungsvermögen, Einfühlungsvermögen sowie ein tiefes Verständnis der Zusammenhänge der Gesetzmäßigkeiten des Lebens sind die Früchte die auf dem Beet des seelischen Bodens wachsen. Besonders der Mann ist dazu berufen, den Sinn für das Geistige in der Welt wachzuhalten. Man kann auch sagen, seine Aufgabe ist es, den Geist zurückzubringen, da wirkliche rückbindende geistige Inhalte in unserer Gesellschaft nur noch homöopathisch dosiert zu finden sind. Meist liegt es darin, das der Mann sich in seinem Rollenverständnis oftmals völlig falsch einsortiert. Es gibt bei ihm sozusagen ein Manko in dieser Richtung, das bei Frauen nicht existiert, weil sie viel näher an der Seelennatur angebunden sind. Zeugnis gibt schon das Verhältnis der Teilnehmerquoten in geistigen Seminaren oder Workshops, in denen das Geschlechterverhältnis meistens 80% Frauen und 20% Männer beträgt. Damit der Mann aber selber wieder zur geistigen Sinnfindung zurückfinden kann, ist es erforderlich, dass er sich der eigenen seelischen Befruchtung hingibt. Vielleicht ist es in der männlichen Triebnatur angelegt, dass dem Mann die Hingabe weniger liegt. Wer sich aber bewusst ist, dass jeder Mensch, sei es Mann oder Frau, weibliche und männliche Anteile in sich trägt und die körperliche Hülle nur das Dominierende zum Ausdruck bringt, dem wird aus einer solchen Sicht auch die Fähigkeit erwachsen, in sich selbst die verborgene seelische Komponente bewusst zu erwecken.

Dass beide Geschlechter im äußeren Leben mehr denn je danach streben, die Komponente zum Ausdruck zu bringen, die sie körperlich nicht darstellen, läßt deutlich werden, dass sie unbewusst eine Ahnung von der Wesenspolarität haben, deren zwiespältiges Abbild Mann und Frau sind. Dieses Streben findet oft verzerr te Ausdrucksformen, es ändert an der Tatsache des Bedürfnisses nichts. Leider kommt es dabei häufig mit der übersteigerten Form der Überkompensation der Rollenthemen zu den genauen Gegenpolarisierungen. Die Frau verfällt mit ihrem Bestreben nach Gleichberechtigung tragischerweise ins andere Extrem. Sie verdrängt ihre natürliche Disposition zur weiblichen Hingabe und den Kontakt zu ihrer inneren seelischen Quelle vollkommen, anstatt dem vorhandenen passiven inwendigen Teil, lediglich den fehlenden aktiven hinzuzufügen. Der Mann hingegen versucht sich in Hingabe, so dass er sich in einer Rolle einfindet, die nicht seinem eigentlichen Auftrag entspricht. Dies führt dazu, dass er seinen äußeren Funktionstrieben oder seinen Verstandeskräften erliegt. Diese halten ihn in einer Weltausrichtung gefangen und machen es unmöglich, dass er seinen Auftrag, als Geistträger zu agieren, nachkommt. Er kümmert sich dann zwar hingebungsvoll helfend um seinen Lieben, ist aber weiter in einer reinen Außenorientierung gefangen. Das hingebungsvolle Ausagieren in Äußerlichkeiten hat ja nichts mit einem seelisch/geistigen Aspekt zu tun, sondern läßt lediglich deutlich werden, dass ein sehnsüchtiges Anliegen besteht, die gegenpolaren Wesensanteile auszuprägen. Diese werden jedoch nur auf einer Meta-Ebenen eingelöst, die nicht dem eigentlichen inneren Erfordernis des Eintauchens in die Seelennatur entsprechen. Was immer auch für Auswirkungen aus dem Ringen um die Rollenthematik entstehen, führen diese immer weiter weg von einer Hingabe an eine wirkliche innere Fühlung, die aus dem Zugang zur inneren Stimme, der Intuition und aus meditativer Versenkung erwächst.

Der Mensch ist nicht nur das, was er sinnesmäßig von sich mit seinem Verstand erfaßt. Er mag einen noch so guten Intellekt haben, er mag noch so viel von den Naturgesetzen des Kosmos wissen - so lange er nicht sein eigenes Inneres kennt, weiß er recht wenig und er wird nie ermessen können, was sich durch ihn auswirkt und welche Manifestationen er aufgrund seines Inneren in der äußeren Welt hervorruft. So lange der Mensch Spielball kosmischer Kräfte in sich und in der Welt ist, so lange beherrscht er seine ihm zur Verfügung stehenden Kräfte nicht oder nur zum Teil. Das bringt ihn in einen dauernden Konflikt mit der inneren Realität und der Realität in der Außenwelt. Vor allem führt eine solche Haltung zu einem falschen Begriff von Glück und Lebenssinn, was zeitlebens Zerissenheit und Labilität bedeutet. Die meisten Menschen in unserer heutigen Zeit haben den Zugang zum Tempel der Seele mit einem "rationalen Mauerwerk" verbaut und wissen gar nichts mehr über ihr eigenes Inneres. Das äußere von den Sinnen gesteuerte Bewusstsein hat eine solche Dominanz erhalten, dass die Beziehung zum irrationalen Seelenanteil verlorengegangen ist. Alle geistigen Traditionen haben stets die Menschen gelehrt, das Verständnis und die Auswirkungen der physikalischen Erscheinungen für die sichtbare Welt und alle Lebensverläufe im eigenen Inneren zu suchen und dabei das Schweigen aller Gedanken und Empfindungen zu lernen.

In der Natur des Menschen liegt tief im Inneren die Ahnung verborgen, dass seine Beziehung zu einer geistigen Welt ihn in Konflikt bringt mit seiner Vernunft und dadurch mit jener Kraft, die an die Ich-Kräfte gekoppelt ist. In diesem Kampf, der unter Umständen im Inneren des Menschen heftige Auswirkungen haben kann, wäre der Mensch hoffnungslos unterlegen, hätten nicht zu allen Zeiten Menschen die Beziehung zum Ur-Quell allen Seins in höchstem Erleben gefunden. Sie haben für alle, die gleichfalls nach dieser Quelle streben innere Gesetzmäßigkeit beschrieben, da ihnen die Hingabe an ihren verborgenen seelischen Innenraum, Weg und Sinn geworden war. Solche Hingabe an den seelischen Anteil mag den Menschen in früheren Zeiten leichter gefallen sein, als ihr Denken noch nicht so analytisch und bewertend ausgebildet war, heute ist deshalb die Hürde größer geworden, da der Mensch in seiner Grundhaltung erst einmal mißtrauisch ist. Wenn die rationalen Kräfte einmal hochgepolt sind und man sich vollkommen auf sie verläßt, dann werden sie vor dem Altar des eigenen seelischen Innenraums ebenfalls nicht schweigen und glauben, alles besser zu wissen. Oft führt das zu der Annahme, dass die Reaktionen der Sinne das einzig Wahre seien, obwohl die Ratio nicht einmal aus sich heraus darlegen kann, was die eigentliche Ursache ist, dass die Sinne funktionieren.

Lernt die Ratio im Inneren das Schweigen aus einem wirklichen Drang nach der Hingabe an eine andere Wirklichkeitserfahrung, dann erweckt man auf diese Weise ein Gefühl, das nichts mit den äußeren Sinnen zu tun hat und der Mensch vermag den nötigen Respekt für diese Manifestation aufzubringen. Dann wird er auf dem Grunde seines ganzen Seins die eigentliche Lebensquelle entdecken. Dies aber ist eine Sache der gefühlsmäßigen inneren Erlebnisfähigkeit, die er neben seiner Ratio entdecken sollte. Solange der Mensch diesen Lebensquell nicht gefunden hat, wird er die inspirierten Vibrationen seines Inneren nicht kennenlernen und im Außen lauter Zerwürfnisse erleben. Denn die Dynamik des Lebens versucht den Menschen über die Betroffenheit, die aus seinen Erfahrungen resultieren, wieder in seinen seelischen Innenraum zu bewegen. Die äußere Welt ist als eine Art geronnene Seelensubstanz zu verstehen, die dem Unbewussten des Menschen entspringt. Ein Bewusstsein, das nur auf die Aspekte der Außenwelt gerichtet ist, ist Sklave dieser zu Stoff geronnenen Seelenkräfte. Da die meisten Menschen ausschließlich an die rationale Seite des Lebens angebunden sind, verlieren sie immer mehr die Beziehung zu ihrer Seele. Selbst dem erfolgreichsten in der äußeren Welt verstrickten Bewusstsein, dämmern aus diesem Grund oft depressive unbehagliche Gefühle und meistens weiß der Mensch nicht einmal den Grund seiner inneren Verstimmung, die ihn eigentlich mit dem verlorenen inneren Leben verbinden will.

Hat aber das rationale Bedürfnis sich zurückgenommen zugunsten eines Weges in die Tiefen des inneren Seins und hat es unermüdlich immer wieder die Öffnung des Innenraums durch stille Hingabe an das Unfaßbare erweitert, so dass das Licht der Seele sich im Tempel des Inneren entfalten kann, entsteht ein Glücksgefühl, das nicht von äußeren Bedingungen abhängig ist. Dann erst kann der eigentliche Sinn des Daseins erkannt werden und man erwacht auf eine ganz andere Art und Weise in seiner Welt. Die Erweckung des inneren Lebensquells bringt den Menschen wieder in Beziehung zu jener metaphysischen Welt, aus der er ja eigentlich nur als dichtere, materielle Darstellungsform stammt und über die er wieder in Beziehung kommen kann mit dem ewigen, sich manifestierenden, schöpferischen Prinzip. Erst wenn das Licht in vollem Glanze in seinen inneren Tempel der Seele dringt, erkennt er sein ewiges, wahres und eigentliches Ich und vermag durch dieses höhere Selbst den eigentlichen Sinn und Zweck seines irdischen Daseins zu erkennen. Wenn Sie Lust haben, sich in die inneren Welten entführen zu lassen, dann lesen sie dazu mein im Mai erscheinendes Buch, "Die Abenteuer des Adam Lasaarus". Die von mir verfasste Novelle führt Adam Lasaarus, der jeder Mensch sein kann, auf geheimnisvolle Weise in seine seelischen Innenräume, in denen er in die unterschiedlichsten Erfahrungen und Abenteuer verstrickt wird. Lassen auch Sie sich in die Welt Ihrer Seele entführen und freuen Sie sich wie Adam Lasaarus, wenn Ihnen aus Ihrem Inneren Liebe und Führung zuteil wird. Denn nichts wünscht sich die Seele mehr, als Verbindung zu Ihnen aufzunehmen und Sie zu speisen aus ihrem unerschöpflichen Quell der Freude und des Lichtes.

Herzliche Grüße
Ihr Randolf M. Schäfer

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