Randolf Schaefer

Forum für hermetische Kunst und Kultur
& Astrosophische Praxis



Die dunkle Seite der Informationsgesellschaft

Wie die Medien die Stimmungen des Menschen beeinträchtigen

von Randolf Maria Schäfer

Liebe Leserinnen und Leser,

oft stelle ich in meiner Beratungspraxis im Klientengespräch fest, dass das Lebensgefühl vieler Menschen geprägt ist von einer pessimistischen Grundstimmung und einer Fülle von Zukunftsängsten. Meist befinden sich die Betroffenen in einer Schutzhaltung und bedienen, mit dem Rücken zur Wand stehend, einfach nur noch ihre täglichen Erfordernisse. Freude und das Gefühl einer lebendigen Selbstwahrnehmung sind in den Hintergrund gewichen. Bei genauerem Nachfragen geht es ihnen in ihrer Gegenwart gut, doch ihr Fokus scheint auf etwas Unkonkretes gerichtet zu sein, das als düstere, diffuse Ahnung in der Zukunft liegt und sie beeinträchtigt.

Gerne möchte ich mit diesem Essay Ihre Sensibilität für einen Sachverhalt wecken, von dem wir alle in gleicher Weise betroffen sind, weil wir täglich mit ihm in Berührung geraten, an ihm leiden und seine beeinträchtigende Kraft kaum bemerken. Seit über vierzig Jahren hat er sich, wie ein trojanisches Pferd, in unserem Leben einen Raum erobert und ist scheinbar aus diesem nicht mehr fortzudenken. Wie eine schleichende Krankheit, die die Menschen um die Qualität eines echten Lebens beraubt, hat er sich überall auf der Welt ausgebreitet: Es ist die dunkle Seite unserer Informationsgesellschaft, auf die ich das Licht Ihrer Aufmerksamkeit lenken möchte.
Wir befinden uns unterhalb des zweifelhaften Gipfels unserer hochtechnisierten Informationsgesellschaft. Dieser ist zwar noch nicht ganz erklommen, so dass sich auf der noch vor uns liegenden Strecke mit Sicherheit noch einige überraschende Erneuerungen offenbaren werden.

Die herausragendste Errungenschaft ist wohl die Möglichkeit, dass Daten, Bilder und somit Informationen in Sekundenschnelle via Mail oder MMS um den Globus gejagt werden. Neben unserem persönlichen Spaß, als Hobby-Paparazzi Bilder aus dem Alltag, vom Urlaub oder vom Stau via Handy an die Lieben zu schicken, profitieren die Medien am meisten von dieser Errungenschaft, in dem sie uns in der Folge mit Meldungen, Bildern oder Videoclips tagaus, tagein überfrachten. Die Dynamik nimmt vehement zu, und mit der sich beschleunigenden Dynamik reißen uns die Geschehnisse aus den verschiedensten Erdteilen in ihren Bann, als befänden sie sich in unserer unmittelbaren Nachbarschaft. Durch die hautnahen Bildübertragungen und die Schnelligkeit der Nachrichtenübermittlung scheint die Welt kleiner zu werden, was zu dem Phänomen führt, dass die Menschen glauben, die Krisen und Probleme dieser Welt würden sie unmittelbar betreffen.

Nachrichten sind in der Geschäftswelt der Medien zu einer Art Ware geworden, die heiß gehandelt wird. In der dramatischsten Aufmachung erhöht sich ihr Wert, der sich besonders auf die Einschaltquoten auswirkt und dem Vermittler der Ware, also dem Medium, einen Präsenz- und Marktwertzuwachs verschafft und ihn so zu einem attraktiven Werbeträger macht. Somit erhält das Handelsgut “Nachricht” einen vollkommen anderen Stellenwert als es ihn früher hatte. Es verliert quasi seine “Unschuld”, weil es einen anderen Zweck erfüllt als den einer neutralen Vermittlung. Nachrichten sowie soziale oder politische Entwicklungen werden heute nicht mehr einfach vermittelt, sie werden gekonnt in Szene gesetzt, interpretiert und kommentiert. Für gewisse Zeiträume werden sie zu regelrechten Stars, die sich ihre Bühne erobern, um ihr Publikum zu binden. Je mehr Einblicke und Eindrücke vermittelt werden, desto höher sind die Einschaltquoten.

Die Medien benötigen somit die Kriegsschauplätze dieser Welt und den Terrorismus, damit das Geschäft mit ihren “Stars” floriert, und umgekehrt brauchen die Kriegstreiber und Terroristen die Medien, die ihnen gekonnt eine Plattform verschaffen. Beide gehen somit eine schmutzige Symbiose ein. Dieser stille einvernehmliche Pakt bewirkt, dass sich die dramatischsten Szenarien via Bild-, Ton- und Schriftmedien in das Leben des Menschen hineinmischen und unseren Alltag stimmungsmäßig beeinträchtigen. Meist sind dies Stimmungen, die keine aufbauende Dynamik besitzen, sondern die den Menschen in eine krisengeschüttelte Normalität einbinden.
Um dem Verdacht vorzubeugen, dass es mir um eine Heile-Welt-Sicht geht, die sich der Verantwortung der Realität entzieht, möchte ich hier einfügen, dass Information und Aufklärung wichtige Faktoren sind, solange sie dazu beitragen können, dass Handlungen und Reaktionen aus ihnen folgen. Aber dies ist bekanntlich heute nicht mehr der Fall. Dadurch, dass der Mensch sich daran gewöhnt hat, dass ein großer Anteil seiner Freizeit darin besteht, Filme anzuschauen, überträgt er dieses Verhalten auf die Aufnahme von Informationen. Er schaut sie an und speichert sie auf seiner inneren Festplatte, und mehr geschieht nicht. Das hochgepriesene Recht auf freie und gute Information erzeugt beim heutigen Menschen keine Reaktionen mehr, weil er überstrapaziert worden ist, sondern verursacht lediglich eine resignative Lähmung, nach dem Motto “ich kann ja eh nichts machen” womit sich der gesamte Sinn der Inszenierung in Frage stellt.

In den fünfziger und sechziger Jahren führten die Krisen dieser Welt zu einem kollektiven Aufbegehren, sie bewegten im Menschen noch etwas und bewirkten beispielsweise, dass Menschenketten, die für Frieden und atomare Abrüstung skandierten, rund um den Globus gebildet wurden. Heute sind unsere Nachrichten nur mehr zu einem Instrument der kollektiven Hypnose geworden, das diffuse Stimmungen erzeugt, die viele Menschen in eine Art Schreckstarre versetzen. Auch können sie melancholische Stimmungen und gar Depressionen hervorrufen, obwohl im eigenen Leben eigentlich alles in Ordnung ist. Man denke an den 11. September, der ja regelrecht inszeniert wurde, und man wurde nicht müde, immer wieder die gleichen Bilder zu zeigen. Noch heute werden die dramatischen Szenen immer wieder gerne aus den Archiven geholt. Am fünften Jahrestag des 11. September hat es fast kein Medium ausgelassen, Berichte von Überlebenden und deren Leben nach der Katastrophe in die Presse und auf die Wohnzimmer-Flachbildschirme zu bringen. Die Information wird zum Breitwand-Kinoerlebnis und lässt allenfalls einen alltäglichen Gesprächsstoff mit Meinungsbildung entstehen.

Im für die Politik günstigsten Fall kann die inszenierte Nachricht sogar zu einer Art Schneepflug werden, der die Straße frei macht, um menschliche Freiheiten, die in jahrzehntelanger Kleinarbeit errungen wurden, mit einem Streich wegzufegen. Man denke zum Beispiel an den amerikanischen “Patriot Act”, der Bürgerkontrolle, den Abbau von Menschenrechten und Denunziation den Weg frei macht. Man denke auch daran, dass das Spektakel vom 11. September Anlass für den amerikanischen Einmarsch im Irak war, obwohl Saddam Hussein nichts mit Al Quaida zu tun hatte. Man denke daran, dass die amerikanische Hysterie auf Europa übertragen wurde und auch in unserer politischen Landschaft zu Gesetzesänderungen führten – und die sind nicht unerheblich. Das waren prima Aufhänger für die Politik, um endlich Kontrollfunktionen als Notwendigkeit darstellen und einsetzen zu können. Lange hatte man darum gerungen, wie man gegen den Widerstand der Allgemeinheit die Transparenz des Bürgers legitim erhöhen konnte. Dem Lauschangriff, der Datenspeicherung, der neuen ID-Karte mit Chip, der Aufhebung des Bankgeheimnisses standen nun endlich Tür und Tor offen – oder haben Sie das bereits vergessen? Der Zuschauer wird zum Claqueur degradiert, der die Machenschaften von Wirtschafts- und politischer Manipulation, deren eigentlicher Hintergrund nicht offenbart wird, mit weiten Augen und nickendem Kopf begleiten darf.
Neben den weltweiten Krisenschauplätzen erleben wir hautnah, wie auf den Monitoren einer Intensivstation die Börsen-, Wirtschafts-, Polit-, Beliebtheits-, Wachstums-, Klima-, Sozial- und allgemeine Zukunftsdaten unseres schwerkranken “Patienten Leben” gemessen und uns die zweifelhaften Werte stündlich mit ausschweifenden Prognosen übermittelt werden. Der Mensch wird ähnlich wie besorgte Angehörige, die auf einer Intensivstation um das Leben eines Nahestehenden bangen, in eine Ausnahmesituation hineingeführt, die zum alltäglichen Wahnsinn mutiert.
Millionen Menschen werden auf diese Weise in eine von Zukunftsangst geprägte Schreckstarre versetzt, sie verlieren ihren Optimismus, ihre Lebensperspektive und schlussendlich ihre Lebensfreude. Dies hat wiederum zur Folge, dass das Konsumverhalten, die Leistungsfähigkeit, die Marktwirtschaft und somit die einst funktionierende Infrastruktur aus den Fugen gerät. In gleicher Weise reagieren die weltweiten Börsenmärkte hysterisch auf jede Veränderung auf dem Globus, was einen argwöhnen lassen kann, ob dahinter nicht ein ausgeklügeltes System mit Absicht steckt. Preisbarometer, Börsenwerte steigen und fallen parallel mit den Meldungen.

Doch genauso sensibel wie die Märkte reagieren, drückt das Informationsszenario auch auf die Psyche des Menschen. Auf diese Weise wird das Schwungrad der Abwärtsbewegung täglich immer weiter auf Touren gehalten. Zeugen dieser Cocktails sind beispielsweise die Bilder, die von Kindern in Kindergärten und Schulen gemalt wurden und die ihre unverarbeitete psychische Last, aus den im Fernsehen aufgenommenen Bildern von aktuellen Kriegsschauplätzen auf diese Art und Weise offenbaren. Was bei den Kleinen noch seinen Ausdruck findet, sinkt bei den Erwachsenen still und leise auf eine tiefere Schicht der Psyche und führt zu unerklärlichen Stimmungen und Verhaltensstrukturen.
Ein Ende dieser Dynamik scheint nicht in Sicht zu sein. An den politischen Schaltstellen wird aufgeregt darüber diskutiert, was der Auslöser des kollektiven Stimmungstiefs ist, das sich so hartnäckig hält. Aber niemand kommt auf die Idee, dass es die tägliche Dosis schwerverdaulicher Nachrichtenkost und deren Aufmachung sein könnte, die zur allgemeinen Verdrossenheit führt.

Leider besitzen Katastrophen und Krisen eine magnetische Kraft, die die Menschen immer wieder anzieht, ähnlich wie die Schaulustigen auf den Autobahnen, die ihr Tempo reduzieren und sich einen schnellen Adrenalinschub durch den Blick auf Trümmer und Blut verschaffen. Es ist der gleiche Trieb, der beispielsweise im Mittelalter geiferndes Publikum zu den Scheiterhaufen und Richtstätten drängte. Da wir in einer Gesellschaft leben, die nicht mehr von Kulturträgern mit geistigen Idealen geprägt wird, sondern “Kulturvermittler” sich an den Bedürfnissen der Nachfrage orientieren, finden sich natürlich auch jede Menge Instanzen ein, die diese niederen Bedürfnisse bedienen – was in der Folge zu diesem tragischen Kreislauf geführt hat. Das Medienmonster ist außer Kontrolle geraten und führt ein destruktives Eigenleben.

Es wird immer deutlicher, dass Technik und Medien atemberaubend dynamische Fortschritte gemacht haben. Jedoch ist das Verantwortungsbewusstsein derjenigen, die diese Medien führen und einsetzen, nicht mitgewachsen! Hier gibt es eine große Kluft und einen Nachholbedarf in Sachen Verantwortlichkeit. Auf jeder Zigarettenschachtel befinden sich heute Warnhinweise für den unmündigen Raucher. Wie wäre es denn mal mit einer EU-Verordnung für Pflichtaufkleber auf den Fernsehern?
Diese könnten als kleine Transparentfolien auf den Bildschirmen prangen und beispielsweise lauten: “Brisant-Sendungen können Depressionen erzeugen und führen zu einer erhöhten Suizidbereitschaft” oder “Politgesprächsrunden führen zu Resignation und Gleichgültigkeit, sie machen haltlos und rufen Perspektivlosigkeit hervor.”

Aber Scherz beiseite, es ist an der Zeit, sich bewusst zu machen, dass die Menschen einem zur Normalität gewordenen psychischen Terror ausgeliefert sind, der weitaus dramatischere Folgen hat als die Themen, über die gemutmaßt und berichtet wird.
Die Wertfreiheit des qualitativen menschlichen Erlebens ist uns auf diese Weise unmerklich abhanden gekommen und weiterhin massiv in der Zukunft bedroht. Denn die aufgewühlten Gefühle im Kollektiv zeitigen eine weitaus größere Wirkung auf den Verlauf unserer Zukunft, als man sich dessen heute bewusst ist.
Das tägliche Medienszenario ruft Gedanken und Gefühle in den Menschen hervor, die keine aufbauende Dynamik mehr besitzen. Gedanken und Gefühle sind aber reale Kräfte, die eine Auswirkung auf die materielle, funktionale Welt haben. (Siehe auch im Archiv dieser Webseite) Dies ist eine geistige Gesetzmäßigkeit, die den magischen Zusammenhang beschreibt, mit dem die geistige Kraft des Menschen stets die Materie beeinflusst. Vor jeder Handlung steht ein geistiger Impuls. Beispielsweise entwirft ein Architekt einen Plan, den er dann in die Realität umsetzt. Gefühle und Visionen eines Künstlers veranlassen ihn, ein besonderes Werk zu schaffen. Jede Schöpfungsdynamik bewegt sich stets von innen nach außen. Das Äußere ist stets nur die Ausformung eines inneren Prozesses. In gleicher Weise werden auch gefühlsmäßig aufgeladene Gedanken zu einem magischen Mittel, das sich unbewusst gestaltend auf die materielle Welt und deren Verläufe auswirkt.
Magisches Schöpfen bedeutet, dass der Magus Gedankenbilder mit Emotionen anreichert, um diese wirksam werden zu lassen – und das werden sie, wenn der Mensch sich allabendlich sorgenvoll grübelnd ins Bett begibt und seine gedrückte Stimmung mit auf die Nachtseite seines Lebens nimmt. Mit dem Einschlafen entlässt er seine emotionalen Gedankengebilde in den wirksamsten Mentalraum, denn in der Wechselphase vom Wach- zum Schlafzustand baut sich die rationale Kritikschwelle ab, worauf das Unterbewusstsein alles was gedanklich in diesen Raum vordringt als Realität abspeichert.

Für den rationalen, wissenschaftlich orientierten Leser sei hier angemerkt, dass sich dieser Fakt auch C. G. Jung beim Studium traditioneller metaphysischer Lektüre aufgeschlossen hat (siehe auch C. G. Jung “Mysterium Coniunctionis”, Untersuchung über die Trennung und Zusammensetzung der seelischen Gegensätze in der Alchemie). Diesen Fakt hat er dann als seine Erkenntnis der sich selbst erfüllenden Gedankenformen in dem Buch “Die Dynamik des Unbewussten” einfließen lassen.
Überträgt man diese geistige Gesetzmäßigkeit auf die machtvolle Wirkung mit der die Informations- und Mediengesellschaft in die menschlichen Psyche hineinwirkt, dann führt diese zu folgendem Ergebnis:
Der Mensch wird durch die Medien mit Bildern und Nachrichten gespeist. Diese erzeugen Gefühle, die sich durch die Vielzahl der Menschen maximieren, und es entsteht eine hohe mentale Kraftballung, die je nachdem, wie sie aufgeladen ist, sich massiv auf die Dynamik des Lebens auswirkt.

Wir haben es alle in Deutschland hautnah miterlebt, wie es innerhalb von 15 Jahren möglich wurde, dass ein Land, das in der Welt eine Spitzenreiterposition einnahm, sich in ein Jammertal verwandelt hat. Einen großen Anteil an dieser Abwärtsbewegung haben die Medien mit ihrer verantwortungslosen Stimmungsbeeinträchtigung. Anstatt durchzustarten und zu einer gemeinsamen Kräfteballung zu finden, wurde die historische Chance gleich zu Anfang verspielt durch pessimistische Abstiegsprognosen, sozialen Neid, der geschürt wurde mit Leitsätzen wie “Wir müssen alle unseren Gürtel enger schnallen” oder “Es wird ein Ausgleich erforderlich sein, so dass es im Osten mehr und im Westen weniger Wohlstand geben wird.” Man wurde nicht müde, diese Botschaft in allen erdenklichen Varianten, wie ein Mantra, zu wiederholen.
Die Folge war, dass die Mauer in den Köpfen bestehen blieb, die Menschen begannen, ihr Geld festzuhalten, und die Konsumbereitschaft bewegte sich gegen null. Hieraus begann die Wirtschaft zu stagnieren, die Pleitewelle überrollte die Geschäftswelt, Unternehmen reduzierten wegen mangelnder Nachfrage ihre Arbeitsplätze oder versuchten ihre Gewinne durch Personalabbau zu steigern. Die weitere Folge waren mangelnde Staatseinnahmen, womit Deutschland langsam in den Bankrott schlitterte, der wiederum zu endlosen Steuererhöhungen führte und drastische Kürzungen der Sozialleistungen hervorrief. Der Kollaps im Renten- und Gesundheitssystem waren ein weiteres Ergebnis. Das Ganze wurde dann zynischerweise auch noch von den Medien tagaus, tagein kommentiert und dramatisch in Szene gesetzt, was zur Steigerung der Angst und Verhaltenheit führte, und schlussendlich wurde die medial existierende Krise zur real existierenden.

In der Zukunft wird es in der kollektiven Lernerfahrung darum gehen, verantwortungsvoller mit Gedanken und Gefühlen umzugehen. Dies ist ein Feld, dem bislang keine Beachtung geschenkt worden ist, das aber zunehmend zu einem Thema werden wird. Ich werde diesem sich immer mehr entwickelnden Erfordernis in einer der kommenden Ausgaben, mit einem speziellem Essay Raum geben.
Wie so oft reifen Erkenntnisse auf dem Nährboden grenzwertiger Erfahrungen, so dass sich bald die Frage auftun wird, welche Möglichkeiten es gibt, wieder eine Wachstumsdynamik im Kollektiv zu erzeugen. Diese kann in erster Linie darin liegen, den Menschen zu motivieren und ihn aufzubauen, womit ich wohlgemerkt nicht ablenken meine.

Besinnen wir uns einmal auf die kosmische Schöpfungsdynamik. Dort lässt sich beobachten, dass die Schöpfung generell eine aufbauende Kraft besitzt, was sich in der Pracht und der Fülle der Natur widerspiegelt. Die Fülle benötigt zwar einen Gegenspieler, wie beispielsweise im Herbst die Zersetzung, die Verwesung des Laubes, die die Voraussetzung schafft für eine neue Wachstumsphase, die sich in der Folge im Frühjahr einstellt. Die Lebensdynamik folgt somit stets einem zyklischen Verlauf, der nach einer gewissen Zeit in den nächsten Zustand hinübermündet, wie es sich aus den vier Jahreszeiten Frühling, Sommer, Herbst und Winter ableiten lässt. Die Grundrichtung des Schöpfungsverlaufes ist stets wachstumsorientiert und aufbauend. Die Gegenspielerfunktion ist nur dazu da, um Wachstums- und Entwicklungsschritte einzuleiten.
Übertragen wir diese einfache Gesetzmäßigkeit auf die gegenwärtige Verlaufsform unseres Lebens, so hat die Gegenspielerfunktion zu viel Kraft bekommen. Eine Art Langzeitherbst hat im Gemüt der Menschen Platz genommen, der einerseits Resignation und Stagnation bewirkt und andererseits die Erkenntnis reifen lassen kann, dass man so nicht weiterleben möchte. Man denke beispielsweise zurück an das WM-Phänomen in den Sommermonaten dieses Jahres, welches sehr deutlich zeigte, dass die Menschen sich nach einer anderen Lebensstimmung sehnen – womit ich jetzt nicht ausdrücken möchte, dass es um ein Feiern bis zum Abwinken geht. Das Verhalten der Menschen ließ eine Bedürfnislage deutlich werden, eine Sehnsucht nach Unbeschwertheit und Freude trat deutlich zu Tage. Die Freude ist ein wichtiger Energiegewinnungsfaktor in unserem Leben, so dass es Situationen des Ausgleiches braucht, um innerlich in Einklang zu sein.
Eine permanente Fokussierung auf Ängste und drohende Probleme vermag den Menschen gedanklich so weit zu binden, dass er nicht mehr fähig ist, kreativ oder inspiriert zu agieren. Eine angespannte Lebensstimmung ist kein fruchtbarer Boden für Kreativität oder für originelle Problemlösungen. Wer im kreativen Bereich tätig ist, wird diesen Mechanismus kennen. Denn wer in seinem Drama gebunden ist und keinen Abstand zum Geschehen besitzt, vermag sich schwerlich in einen Zustand zu versetzen, der ihm Lösungsmöglichkeiten beschert. Der Mensch steckt also im Moment in einer Falle.

Karl von Echartshausen, ein alter Mystiker, drückte mit den Worten “Gott erhalte mir meinen Mittelstand”, vortrefflich aus, dass sowohl der Mangel als auch der Überfluss den Menschen vom Wesentlichen abhält, nämlich sich geistig mit sich selbst auseinanderzusetzen sowie nach der Ursprungsquelle des Lebens zu forschen. In den siebziger und achtziger Jahren waren es die Konsum- und die Luxusbedürfnisse, die die Menschen gefangen nahmen. Dies veränderte sich Anfang der neunziger Jahre, und ab diesem Zeitraum rückten die Problembewältigung und die Angstthematik in den Vordergrund, die nun das Gleiche bewerkstelligen.

Wir besitzen die Freiheit, für uns entscheiden zu können, ob wir bereit sind, uns weiter dem Terror der Medien auszusetzen. Es gäbe beispielsweise die Möglichkeit, den Medien die rote Karte zu zeigen, auf Spezialsendungen über Krisenthemen oder unsinnige Gesprächsrunden, die “christiansenartige” Nonsensgespräche pflegen, bewusst zu verzichten. Oder Zeitschriften, die besonders reißerische Artikel veröffentlichen, einfach nicht mehr zu kaufen, so dass deutlich wird, dass deren Vermarktungsstrategie nicht mehr erwünscht ist. Fakten ändern sich nicht dadurch, dass man sie aus jeder Perspektive beleuchtet und sich zu den Themen zig Kommentatoren zu Wort melden.

Auch in der Szene der spirituell orientierten Verlage und Zeitschriften sind in der letzten Zeit Stimmen laut geworden, dass ab dem Jahr 2012 für die Menschheit eine düstere Zeit anbrechen würde. Diese Stimmung hat sehr viele Menschen erfasst, die jetzt in einer merkwürdigen Verfassung einherdümpeln, weil sie keine Zukunftsperspektiven mehr haben. Dies ist ein trauriges Resultat, da dieser Unsinn zudem in vielen Seminaren auch noch weiterverbreitet wird.
Da ich mich seit meiner Kindheit mit dem Thema der Spiritualität beschäftige, habe ich natürlich sehr viele Entwicklungsphasen und Ausformungen im esoterischen Milieu miterlebt. Aus dieser Erfahrung kann ich nur sagen, dass schon viele Male der Untergang prognostiziert wurde, etwa 1985, 1990/91, 1995, 1999, nebst Halleyschen Kometen und Sonnenfinsternis – und wir leben immer noch. Ich habe Menschen erlebt, die aufgrund solcher Prognosen ihre Existenzen aufgaben, sich Versicherungen auszahlen ließen, ihre Zukunftsperspektive verloren, auswanderten, in Teneriffa auf den Teide kletterten, um auf die Stunde Null zu warten und und und. Letztlich strauchelten sie alle mit ihren Existenzen, und das böse Erwachen kam, als die Welt (“leider”) noch nicht untergegangen war.
Also lassen Sie sich von solchen Mutmaßungen nicht anstecken und auch nicht ins Bockshorn jagen. Meist werden solche Stimmungen dazu genutzt, um eine allein selig machende Lehre oder Heilsmethode zu verbreiten. Sollten Sie an eine solche Instanz geraten, dann nehmen Sie besser Ihre Beine in die Hand und suchen Sie schleunigst das Weite, denn da kommt nichts Gutes bei heraus.

Der Weg aus der durch die Medien hochgepeitschten Krisensituation kann nur dann zu einer Umkehr werden, wenn sich ein wirklich unabhängiger Medienrat bildet, der die pure Themenvermarktung unterbindet. Diese Möglichkeit hätten beispielsweise Künstler, Autoren, indem sie bewusst ihre Stimme erheben und immer wieder auf diesen Fakt hinweisen. Oder jeder Einzelne zeigt durch seine Verweigerung den Quotenjägern die rote Karte. Angst und Sorge um die Existenz sind ein unfruchtbarer Boden für materielles wie auch geistiges Wachstum. Sie führen zu einem Bewusstsein, das sich am Mangel orientiert und aus dem Neid und Verbitterung entstehen. Geistige Werte, wie die Freude an Erkenntnis, an Kunst, an Kultur, an Philosophie und Religion, verblassen in einem Mangelbewusstsein, das nur die Ausformung des Materialismus auf der Sollseite ist.
Bedeutsam ist es, wieder Gedanken- und Gefühlsbrücken zur Freude und zur Dankbarkeit zu schlagen. Beispielsweise wieder Freude und Dankbarkeit für die Schöpfung, für die Natur zu empfinden; die Dinge, auf die wir in unserem Leben zurückgreifen können, nicht einfach als selbstverständliche Gegebenheit hinnehmen, sondern sie innerlich dankbar zu würdigen und uns an ihnen zu erfreuen. Wir leben in der Fülle und im Überfluss und nehmen sie aufgrund der Medienüberfrachtung nicht mehr wahr, die wie ein Krebsgeschwür in unsere Psyche hineinwuchert und Metastasen in unserem äußeren Leben bildet.

Analysiert man die Lebensphilosophie der unterschiedlichsten Kulturen von den Hochkulturen der Antike bis hin zu den noch wenigen existierenden Naturvölkern, wie sie beispielsweise noch im Amazonasdschungel zu finden sind, wird man erkennen können, dass alle im täglichen Leben mit Gott als zentraler Kraft oder mit speziellen Gottheiten, die für bestimmte Lebenselemente gewürdigt wurden, innig gedanklich verbunden waren. Man befand sich in einem täglichen Dialog mit dem höchsten Prinzip, wie immer es auch bezeichnet wurde, und hielt Rituale ab, feierte Dankesfeste für die Dinge, auf die man im Leben zurückgreifen konnte. Man würdigte die Elemente, die die Existenz sicherten, als etwas Besonderes, was letzlich zu einem Gefühl der Getragenheit und des inneren Friedens führte. Diese Elemente sind auch in der christlichen Kultur erhalten, die durch Dank und Gebet die Dinge würdigt, die man im täglichen Leben vorfindet.

Auch wenn die metaphysischen Kräfte einem rationalen, wissenschaftlichen Weltbild scheinbar entgegenstehen und mangels Nachweisbarkeit nicht anerkannt werden, wirken sie in unser Leben hinein. Dies verhält sich so wie der Verbund zwischen Körper und Seele. Der Körper findet durch die Wissenschaft eine nachweisliche Akzeptanz, bei der Seele wird es schon etwas schwieriger. Trotzdem wird es niemand bestreiten können, dass es jene beseelte Energieform gibt, die sich an einen Körper bindet, sonst würde dieser der Verwesung anheim fallen.
Wenn wir diese Analogie auf unser Leben übertragen, dann verhält es sich mit dem Zusammenhang zwischen Körper, Geist und Seele genauso. So besitzen wir die Fähigkeit, unserem Leben eine Energie einzuhauchen, indem wir es durch unser dankbares und freudiges inneres Verhältnis zu den darin wirkenden kosmischen Kräften beseelen. Dies geschieht, wenn wir in einen kommunikativen Austausch mit der höchsten Schöpferkraft treten und seine Besonderheiten in unserem Leben dankbar würdigen. Auf diese Weise entsteht eine subtile Kommunikation zwischen dem “Oben” und dem “Unten”. Dieses Verhältnis habe ich gleichfalls in dem Essay “Wie kann ich Grenzen in meinem Leben überwinden?”, anhand der Forschungen des japanischen Wissenschaftlers Masuro Emoto beschrieben.

Wenn wir verstehen, dass wir als kleine Schöpferinstanz in unserem Leben zu wirken vermögen und erkennen, dass wir die Verhältnisse in unserem Leben verändern können durch bewusste Entscheidung und geistige Umorientierung, dann vermögen wir dieses Bewusstsein auch auf andere Menschen zu übertragen. In diesem Sinne wünsche ich Ihnen kreative Gedanken und Lösungen, mit denen Sie Ihrem Leben eine andere Dynamik verleihen. Wenn es schon keine unabhängigen, freien Medienwächter gibt, dann seien Sie es einfach selbst. Erkennen Sie Ihre persönliche Macht, und ziehen Sie Ihre Konsequenze. Nehmen Sie die Art und Weise des “ganz normalen” Medienterrors nicht mehr weiter hin, und vor allem: Ermuntern Sie auch andere Menschen dazu, es Ihnen nachzutun!

Herzlichs Ihr,
Randolf Maria Schäfer

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