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Forum für hermetische Kunst und Kultur & Astrosophische Praxis
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Die Gegenwart des Augenblicks
von Randolf Maria Schäfer
Liebe Leser!
Der Sommer besitzt für viele einen besonderen Reiz, denn er vermag zu bewirken, dass man sich aufgrund der Schönheit und der Pracht der Außenwelt ganz im Hier und Jetzt einfindet. Vielen Menschen ist die Fähigkeit abhanden gekommen, im Einklang mit dem Moment zu leben. Kinder sind diesem Zustand der erhöhten Aufmerksamkeit und Wachheit noch viel näher. Sie nehmen ihre Welt viel intensiver wahr, leben in jedem Moment in jeder Faser ganz im Augenblick. Selten kommt es vor, dass sie Momente verdrängen und in einem Strom des Nicht-Wahrnehmens dahintreiben. Sie genießen den Morgen genau wie den Mittag oder den Abend, denn Heute, Gestern und Später sind für sie gleichwertig. Erst später, wenn die Jahre ihre Ringe um die bewusster werdende Seele legen, wenn Hoffnungen, Ängste und Frustrationen bewegen oder lähmen, wenn Glück und Enttäuschungen ihren Einzug halten, wenn das Dasein mit Pflichten aufwartet, Bedürfnisse und Leistungen im Leben anstehen, beginnen Kinder sich in Traumwelten zurückzuziehen, nehmen sie sich aus der Bereitschaft heraus, jeden Augenblick mit Interesse wahrzunehmen. Dies kann durch traumatische Erlebnisse bewirkt werden oder durch die zunehmenden.Leistungsanforderungen, welche die individuelle Selbstverwirklichung in den Hintergrund treten lassen. Der Augenblick verliert dann mehr an seiner inneren Bedeutung und wird nach seinem äußeren Inhalt beurteilt, bis dass der Mensch irgendwann einmal beginnt vor dem Augenblick zu fliehen. Er träumt dann in einer scheinbar leeren Gegenwart dahin, die er mehr oder weniger widerwillig handelnd verneinend erlebt, fast schlafend oder vollkommen mechanisch dahinfunktionierend. Die ständig gleichen Erfordernisse, die erfüllt werden wollen, nehmen dem Menschen dann die Intensität des Erlebens und die Gegenwart wird nur zu einer Übergangsstufe für mögliche spätere Situationen mit annehmbarem Charakter. Das Alltägliche wird so gewohnt, dass es der Neugier und der verborgenen Eitelkeit des Geltungsbedürfnisses oder der Jagd nach Bestätigung keine Gelegenheit mehr gibt sich in anderer Form auszuwirken und das Bewusstsein in den „wachen Schlaf“ fällt. Dann wird die schöne Vergangenheit, die auch nicht bewusst erlebt wurde, als niewiederkehrend beklagt oder die Hoffnung als ein Anker in eine verheißungsvolle Zukunft geworfen, die voll mit Wünschen und Träumen belegt wird. Auf diese Weise zehren Vergangenes und Zukünftiges die Gegenwart auf, die hin und wieder nur durch plötzlich einbrechende überraschende Schicksalsimpulse wahrgenommen wird.
Doch wer die Gegenwart ausblendet braucht nicht darauf zu hoffen, dass sie, solange sie nicht akzeptiert wird, dem Menschen besonders entgegenkommen wird, vielmehr rächt sich die Nichtakzeptanz dadurch, dass sich weder Wandlung noch akzeptable Zustände aufbauen können, denn ein fester Turm der Zukunft läßt sich schwerlich auf einem in Treibsand gesetzten Fundament errichten. Viele scheinbar großen Werke, seien es wissenschaftliche Errungenschaften oder künstlerische Projekte, sind aus derartiger Gegenwartsflucht entstanden, da der Schaffende anstatt voller Akzeptanz des Augenblicks nichts anderes als Betäubung und Schein suchte. Oftmals dient das Werk, das zwar äußeren Glanz besitzen mag, dazu, sich hinter ihm zu verstecken, oft ist es nur Fassade, die aus einem Wirbel vor der Flucht aus der Realität aufgebaut wurde, aus einem Bedürfnis vor dem Augenblick zu fliehen.
Der Trend der heutigen Zeit unterstützt ein derartiges Bewusstsein, denn in Phasen wirtschaftlicher Stagnation und gesellschaftlichen Umbruchs, neigen viele Menschen dazu sich innerlich aus dem Geschehen auszublenden. Die Gegenwart wird weder akzeptiert, noch findet sie eine innere Aufarbeitung, was verstärkend hinzukommt. Dabei ist es besonders wichtig sich wieder mit dem Augenblick zu versöhnen, denn schließlich ist er der Acker, in den der Samen für die Zukunft gelegt wird. Der Mensch sollte wieder innehalten um in der Gegenwart anzugelangen und über sie auch noch zu reflektieren. Denn das Leben bringt jedem Menschen, in jedem Augenblick, genau die Inhalte heran, die er zur Erfüllung und Bearbeitung braucht. Jeder Augenblick, jeder Moment, will erobert und durchdrungen werden, damit sich diese wache Form der Annahme zu einem Fundament verwandeln kann auf dem inneres Wachstum und eine aus dem Augenblick gewachsene Zukunft wieder aufbauen können, auch wenn es vielleicht manchmal schwierig sein mag die Umstände, in denen man lebt, so zu akzeptieren wie sie sind. Je bewusster der Augenblick erlebt wird, desto reicher wird er, desto mehr nimmt er den jeweiligen Menschen in sich auf, denn sein Reichtum und seine Fülle erhalten ausschließlich das Maß aus der inneren Akzeptanz. Dies wird allein dadurch deutlich, wenn man die Bewertungen verschiedener Menschen in Lebenssituationen vergleicht. Der eine steht vielleicht auf dem scheinbaren Gipfel des äußeren Erfolges und wird von anderen Menschen beneidet, doch leidet er innerliche Qualen, weil er seine Lebenssituation nicht annehmen kann.
Ein anderer wiederum lebt in Umständen, um die ihn andere nicht beneiden und er ist vollkommen zufrieden und nimmt die Dinge an wie sie sind. Die innere Einstellung zum Leben macht die eigentliche Qualität aus. Deshalb vermag der Mensch seine Qualität des Lebens dadurch zu gestalten indem er sie erst einmal anzunehmen lernt und so wahrzunehmen wie sie ist. Denn der vor dem Augenblick-Fliehende wird meist von dem Nichtakzeptierten, dem unbezwungenen abgelehnten Teil verfolgt. Er stellt sich dem Fliehenden in immer neuer Gestalt in den Weg, bis er einmal wirklich durch Annahme erlöst wird. Im geistigen Sinne kann dann durchaus das scheinbare Unterliegen in seiner Wertigkeit als ein Bestehen und eine innere Stärkung erfahren werden, wenn es in richtigem Bewusstsein ausgeführt wurde, da man bereit war dem Augenblick zu begegnen.
Man darf aber eine solche Bereitschaft zur Konfrontation nicht mit dem Erfüllen von Pflicht verwechseln, denn es ist etwas Inneres, das die Akzeptanz des Momentes ausmacht. Die innere Bereitschaft Bedingungen an- und wahrzunehmen schafft die Grundvoraussetzung, dass sich die Energien des Lebens beginnen anders zu formieren. Sie geraten in Fluß, denn nun muß das Leben nicht durch erneute Manifestationen immer und immer wieder versuchen, die abgelehnten Inhalte in das Leben zurückzutransportieren. Auf diese Weise entsteht ein besserer Zugang zu der inneren Führung des Menschen, denn sie ist jener Teil, der den Menschen auf einen ehrlichen klaren Weg zu führen vermag. Dazu ist es aber nötig, sich aus den subjektiven Anliegen zu lösen bzw. wachsam darüber zu sein, wo man ständig bestrebt ist die Dinge die zur Veränderung beitragen wollen, aus dem Leben zu verdrängen. Wer die Fülle des Augenblicks für sich sucht, aber Bedingungen stellt, wie diese Fülle aussehen sollte, der muß erst lernen sich für den Augenblick und dessen Annahme vorzubereiten. Dazu ist es erforderlich, dass man sich in Selbstüberwindung übt und sich bewusst macht, dass die erlebten Verletzungen jenen Rückzug in eine Vorstellungswelt bewirkt haben.
Jeder Mensch hat seine Amfortaswunde, die er mit dem Auftrag zu leben gesetzt bekommen hat, die er aber auch im Verlauf des Lebens heilen sollte. Diese Heilung kann aber nur durch Konfrontation geschehen. Denn das Übel der heutige Zeit ist das Bedürfnis sich zu entziehen und den massiven Aufforderung zur Wandlung durch Gegenmaßnahmen zu begegnen. Oft dauert es Jahre, bis man sich der Akzeptanz eigener Themen angenähert hat. Dieses akzeptieren zu können, ist mit einer mühevollen Kleinarbeit verbunden, die es erfordert immer wieder ganz bewusst in den inneren Dialog mit den Dingen zu gehen. Natürlich sind solche Lebenswunden empfindlich, besonders gegen die ständig auftretenden Nadelstiche des Außens. Lernt man aber trotzdem sich dem Außen zu stellen, dann wächst einem auf wundersame Art und Weise eine Kraft aus der Konfrontation zu. Was jahrelanges Verdrängen nicht vermochte, schafft die Annahme des Augenblicks. Man beginnt das Ziel des Lebens klarer und deutlicher zu sehen, da der Schleier, den man über die Gegenwart gehängt hatte, natürlich auch die Klarheit der zu erreichenden Ziele trübt. Die permanenten Reizzustände, die man in der Welt empfindet, weichen unter der Bereitschaft zur Annahme des Gegenwärtigen. Es geschieht genau das Gegenteilige von dem, was man glaubte. Das Leben beginnt sich zu verwandeln, weil man bereit ist es so zu akzeptieren wie es gegenwärtig ist.
In diesem Sinne wünsche ich Ihnen, dass es gelingen mag die sommerliche Akzeptanz und Wahrnehmungsfähigkeit auch für regnerische Lebenssituationen zu entwickeln.
Herzlichs Ihr,
Randolf Maria Schäfer
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