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Forum für hermetische Kunst und Kultur & Astrosophische Praxis
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Unser Leben als Stufenleiter zu neuen Entfaltungsebenen – Teil 2
Liebe Leserinnen, liebe Leser,
viele Menschen erfahren in der Mitte ihres Lebens besondere Stimmungen, die sie nicht einzusortieren vermögen. Die bekannte Dynamik aus der Hochphase, der Aufbauphase des Lebens, erfährt einen Knick. Obwohl man noch nicht alt ist, wundert man sich über sich selbst und versteht oft nicht, was in einem vorgeht. Es werden Korrekturen vorgenommen, die das Umfeld überraschen, so als wolle man seinem Leben einen neuen Schliff verpassen. Und man kann wirklich sagen, dass mit dem Überschreiten der Lebensmitte, die sich fiktiv bei 42 Jahren ansiedeln lässt, der Verlauf des Lebens einen starken Sog erhält. Dieser schiebt den Menschen dahin, dass er die verborgenen Potenziale seines Inneren zu entfalten vermag, die dann wie herrliche Blumen im Lichte des Lebens erstrahlen. In dieser Zeit kristallisiert sich heraus, ob aufgrund von Sicherheitsdenken und Festhalten an alten Lebensstrukturen das Leben seine Qualität und Lebendigkeit verliert oder ob es noch mal einen Impuls erhält, der den Menschen innere Zufriedenheit und Einklang erleben lässt.
In der letzten Ausgabe dieser Webseite habe ich die ersten drei Lebensphasen beschrieben, jene Zeit von der Geburt bis zum 7. Lebensjahr, vom 7. bis zum 14. Lebensjahr und die Phase vom 14. bis zum 21. Lebensjahr. Es handelt sich um die Frühlingszeit, die Aufbruchsphase des Lebens. (Siehe auch Textbiliothek)
In der Folge lesen Sie nun über die Zeiträume, die man zum Lebenssommer zählen kann, bis hin zu den ersten Vorboten den Lebensherbstes.
Der 4. Lebensabschnitt:
21. - 28. Lebensjahr
Diese Phase beginnt mit einem starken Freiheits- und Revolutionsdrang oder dem Wunsch, mehr Freiheit durch Selbstbestimmung zu entwickeln. Man löst sich von Lehrerfiguren, dem Elternhaus und beginnt, sein eigenständiges Leben zu führen. Das bedeutet aber auch, Abschied zu nehmen von den Gegebenheiten, die einem Sicherheit vermittelten. Ein neuer Abschnitt beginnt, der in die Auseinandersetzung mit der Welt hineinführt. In früheren Zeiten begann mit 21 Jahren die Mündigkeit und damit die volle Verantwortlichkeit für das eigene Leben. Die Stimmung, die in dieser Lebensphase vorherrscht, ist durchaus optimistisch und zielorientiert. Hier sammelt der Mensch Erfahrungswerte, aus denen er beginnt, seine Weltanschauungen zu gestalten. Denn nun geht es darum, von der Theorie zur Praxis zu gelangen. Beziehungen werden eingegangen, der erste eigene Hausstand oder gar eine eigene Familie werden gegründet. Die in der vorangegangenen Phase gelegten Grundsteine müssen ihre Bewährungsprobe durchstehen, denn es wird deutlich, ob die Ideale oder die übernommenen Konzepte, die einem auf dem Lernweg mitgegeben wurden, in die Wirklichkeit umzusetzen sind und diese der Realität des Lebens standhalten können. Alles scheint möglich zu sein, da kaum Negativerfahrungen vorliegen, was natürlich auch das Geheimnis des Erfolges ist, der besonders auf einer optimistischen Unreflektiertheit gedeiht. In diesem Zeitraum erfährt der Mensch sehr viel über die Richtigkeit seiner Weichenstellung. Er beginnt zu erkennen, ob die übernommenen Weltanschauungen seiner inneren Wahrheit entsprechen, denn die vorgenommene Weichenstellung entstand in vielen Fällen aus dem Familienmythos; hier regierte die Vernunft und die Sorge, das Kind in eine gesicherte Existenz zu entlassen, nicht jedoch die Frage, ob es glücklich und ausgefüllt ist mit der angestrebten Lebensausrichtung. Natürlich sind die Einflüsse, die vom Elternhaus oder von anderen Autoritäten in der Jugend auf den Menschen einwirkten, als veräußerte Dynamik eines inneren Kräftespieles anzusehen.
Oft ist es so, dass der Mensch sich erst einmal in die entgegengesetzte Richtung seines Geburtsauftrages bewegt. Er wählt Verwirklichungselemente, die seinen mitgebrachten Anlagebedürfnissen entsprechen. Diese klingen, als würde der Mensch sich an sie erinnern, aus vergangenen Existenzen in die Gegenwart hinein. So wie die Seele in vorausgegangenen Existenzen genau realisierte, was sie in nachfolgenden Inkarnationen verändern möchte, hat sie gleichzeitig noch einmal die Inhalte in die Wiege des neuen Lebens gelegt, die sie als veränderungswürdig und überholt ansieht. Sie werden dann sozusagen zum Erweckungsgehilfen, der den Menschen erwachen und bewusst entscheiden lässt, dass er zukünftig sein Leben anders gestalten möchte.
Trägt der Mensch eine statische Sicherheitskomponente im Wesen seiner mitgebrachten Anlage, so kann sein neuer Lebensauftrag beispielsweise lauten, sich mit dem Thema der Flexibilität und der Lebendigkeit auseinanderzusetzen. Möglicherweise wird er dazu tendieren, einen konservativen Beruf zu ergreifen. Das Elternhaus flüsterte ihm ein: "Werde Beamter, dann bist du auf der sicheren Seite und hast geregelte Zeiten". Später aber leidet der Mensch unter der Statik und der Eintönigkeit seines Berufes, und die Sehnsucht erwacht, beispielsweise lieber in einem Bereich tätig zu sein, der mehr Freiheit und Kreativität zulässt. Vielleicht möchte der Mensch im Bereich von Kommunikationstrainings mit anderen Menschen arbeiten oder einen Beruf ausführen, der in einem sportlichen Sektor angesiedelt ist.
Vielleicht hat sich auch jemand den wenig kreativen Beruf des Bankers ausgesucht und stellt fest, dass er lieber sein Hobby, die Fotografie, zum Beruf machen möchte. Hieraus entsteht quasi innerhalb des Lebens mit den sich ergebenden inneren und äußeren Widerständen eine Bestandsaufnahme, die zur Kehrtwende aufruft, um die zu lernenden Lebensaufträge zu verwirklichen. Dies ist der Grund, weshalb mit Abschluss dieser Phase eine ernsthafte Stimmung zunimmt. Das Leben verliert im Ausklang dieses Zeitraumes langsam seinen spielerischen Charakter. Nur durch die Praxis konnten solche Erkenntnisse reifen, die erst einmal zu einem inneren Gärungsprozess führen. Meist findet dieser in der nachfolgenden Phase durch angestrebte Veränderungen seinen Ausdruck.
Der 5. Lebensabschnitt:
28. - 35. Lebensjahr
In diesem Zyklus, besonders in dem Zeitraum zwischen 28 - 29 1/2 Jahren, wird unmissverständlich deutlich, dass Korrekturen vorgenommen werden müssen. Hier erhält der Mensch die eigentliche Weihe in seinem Leben. Man kann sagen, dass der Mensch mit 30 Jahren ein vollkommen anderer ist als zuvor. Es setzt der eigentliche Erwachsenwerdungsprozess ein, der ihn zu dem hinführt, was man als zentrales Thema in seiner Existenz bezeichnen kann. Das Wesen vor dieser Zeit trägt noch deutlich juvenile Züge, weil das Salz in der Suppe des Lebens bislang fehlte. Dies ist die Zeit, in der der Mensch zu den Themen findet, die ihn an die Notwendigkeit seiner Inkarnation binden. Alles Vorherige ist als ein Ausflug in das bunte Spektrum der Erfahrungswelt des Lebens zu betrachten – der wirkliche Grund seines Daseins beginnt sich ab hier zu formieren. Allerdings wird er im Verlauf der Zeit immer noch mal einen Feinschliff erhalten, bis er letztlich stimmig ist.
Alle Dinge die in diesem 5. Zyklus entstehen, werden den Menschen längere Zeit begleiten. Der Entschluss eine Veränderung vorzunehmen, reift, da der ergriffene Beruf möglicherweise nicht dem eigenen Wesen und seinen Potenzialen entsprach. Oder es kommt in dieser Zeit zu einer verstärkten Verantwortungsübernahme innerhalb des Berufes oder des Lebens – es entsteht eine Intensivierung in dem bisher Erwirkten. Sehr häufig trägt der Aspekt der Elternschaft dazu bei. Kinder, die in dieser Phase geboren werden, fordern besonders die Aufmerksamkeit des Menschen oder sind oft treibende Elemente, andere Lebensformen zu wählen. Alte Weltbilder und Ideen zerbrechen, und es entsteht eine Zeit der intensiven Verwandlung. Man könnte sagen, dass ab dieser Zeit der Ernst des Lebens beginnt. Andere Menschen, kollektive oder soziale Erfordernisse rücken in den Vordergrund des Lebens, und die persönlichen Selbstverwirklichungsbestrebungen geraten etwas ins Abseits. Hier heißt es noch mal von Leitbildern und Fixierungen bezüglich der eigenen Persönlichkeit oder der Lebensausrichtung Abschied zu nehmen, weil man spürt, dass man bislang noch nicht authentisch in seinen Handlungen war.
Dies ist zwar die energetisch höchstgeladene Phase im Leben, doch gleichzeitig wachsen auch mit der eigenen Dynamik die Widerstände im Außen kongruent mit. Dies ist auch als Motor der Verwandlung anzusehen, denn alle Ereignisse tragen zur Transformation bei. Hat der Mensch in dieser Zeit entsprechende Korrekturen vorgenommen, dann vermag er ab hier in besonderem Sinne, eine Spur innerhalb des Lebens zu hinterlassen. Das Erfolgsstreben ist besonders hoch, und man stellt fest, wenn man die Ängste der Verwandlung durchlaufen hat, dass selbst die vorher gelernten Aspekte nicht umsonst waren, sondern sich in das Bild der Gesamtheit mit integrieren lassen. Ganz wichtig ist es dabei zu wissen, dass nichts, was man bis zu diesem Zeitpunkt beruflich ausführte, umsonst war. Nachdem man sich verändert hat, wird man feststellen, dass sogar die alten, einst gelernten Inhalte eine Basis in dem neuen Gefüge bilden werden.
So wird, wie in den vorherigen Beispielen beschrieben, der ehemalige Beamte feststellen, dass ihm seine Fähigkeit, strukturiert zu arbeiten in dem neuen Beruf des Kommunikationstrainers zugute kommt, und der ehemalige Banker erlebt als Fotograf, dass ihm sein vorheriger Beruf die Fähigkeit verleiht, souverän mit seinen neuen Auftraggebern, Agenturen und deren Artdirektoren zu kommunizieren, weil in der Welt des Marketings ein ähnlicher Wind pfeift wie in in seinem früheren Beruf. Auf diese Weise kann man auf die Schlüssigkeit des Wachstumsprozesses vertrauen.
Der 6. Lebensabschnitt:
35. - 42. Lebensjahr
Bezeichnend für diese Phase ist die in der Anfangsphase langsam schwindende Prägnanz des Persönlichkeits- und Selbstausdruckes. Der Abschied, der hier genommen wird, gilt der Überdynamik. Denn der Mensch macht zunehmend ab dem 39. Lebensjahr Grenzerfahrungen, da er energetisch nicht mehr aus dem Vollen schöpfen kann. Er muss lernen, Prioritäten zu verschieben, und empfindet, dass die Lebensdynamik einen verschlingenden Charakter bekommt, wodurch er einen Verlust der Individualität erfährt. Die Frage nach dem Sinn des bisherigen Agierens und des Lebens taucht auf, was zu einer Definition des eigenen Selbst und dem Verbund mit der Außenwelt führt. Darüber hinaus gilt die besondere Lernerfahrung dieses Zeitraumes, dem Thema der Beziehung im persönlichen sowie im überpersönlichen Bereich. Sehr oft kommt es in Partnerschaften zu Trennungen oder zur Neudefinition der Beziehung. Dies geht mit der Erkenntnis einher, dass sich möglicherweise die partnerschaftliche Gemeinschaft nicht mehr mit den eigenen Idealen deckt und sie die Entwicklung der Persönlichkeit hemmt. Die Umorientierung, die in der vorangegangenen Phase stattfand, führte die Betroffenen in einen gravierenden Neuwerdungsprozess hinein, so dass die Menschen, die einem möglicherweise vorher etwas bedeuteten, plötzlich nicht mehr inhaltlich zu einem passen. Dies ist natürlich nicht zwingend so, aber das Thema der Beziehung erlangt eine bis zu diesem Zeitpunkt nie gekannte Dynamik und gewinnt erheblich an die Präsenz.
Wenn also das Thema Partnerschaft bislang keine Auseinandersetzung forderte, wird es in diesem Zeitraum der Fall sein. Hier kristallisiert sich im Schattenbereich des Du die Ehrlichkeit über das eigene Wesen heraus. Hat man sich beispielsweise bis zu dieser Zeit als sehr präsenten Menschen wahrgenommen, was vielleicht nicht der inneren Wahrheit des Geburtsmusters entsprach, so wird man jenen verdrängten Teil in das konkrete Leben heben. Man stellt fest, dass die Nähe zu anderen einen Ausgleich durch Distanz braucht. Umgekehrt wird im Menschen, der sich bis zu diesem Zeitpunkt von seinem Umfeld unterdrücken ließ, vielleicht der Wunsch wach sich zu erheben, um in die Konfrontation zu gehen. Was immer einen daran hindert, ehrlich zu sich selbst zu stehen, wird in diesem Zeitraum überfällig und muss weichen. Viele Menschen erfahren in diesem Zeitraum eine große Verunsicherung, weil nichts mehr zu stimmen scheint. Besonders von 38 bis 42 Jahren entsteht ein Auflöseprozess, der den Menschen seine innere Zielausrichtung verlieren lässt. Inhalte, die einem vorher etwas bedeuteten, sind plötzlich nicht mehr so wichtig, aber es entstehen vorerst keine neuen. Man hat das Gefühl, der Lebensschwung geht verloren.
Was im Ausklang dieser Phase und im Übergang in die nächste geschieht, wird häufig als verunsichernd empfunden. Man glaubte bis zu diesem Zeitpunkt, genau definieren zu können, wer man sei. Doch es scheint, als gingen alle Bilder und Vorstellungen verloren, was besonders demotivierend ist, weil in der Eingangsphase des kommenden Zyklus auch noch nichts Adäquates zu konkretisieren ist. Dieser Zeitraum stellt eine große Besonderheit im Leben des Menschen dar. Er nimmt eine vergleichbare Bedeutsamkeit ein wie der Abschnitt zwischen 28 und 30 Jahren, denn hier vollzieht sich ein weiterer Geburtsprozess, der den Menschen umschaltet von Außenausrichtung auf Innenraumbetrachtung. So wie die Geburt in das Leben hinein führte und die darauf folgenden Zyklen den Menschen immer tiefer mit der Welt verstrickten, so erfährt der Mensch nun eine Wandlung, die ihn langsam mit dem Wesentlichen innerhalb seiner Existenz verbindet. Die Erfahrung von Durchlässigkeit und Konturlosigkeit gehört besonders dazu. Man sollte sie so verstehen, dass ein Mensch, der genau weiß, was er will, nicht unbedingt empfänglich für sensible Korrekturen ist. Denn er bestimmt selbst, wie sich die Steuerung seines Lebens zu gestalten hat. Man kann es auch so bezeichnen, dass der Mensch mit seiner strebsamen Egoausrichtung Wesentliches, das mit ihm in einen Verbund treten möchte, verhindert. Deshalb braucht es Erfahrungen, die eine Kehrtwende möglich machen, weil er sprichwörtlich mit seinem Latein am Ende ist, so dass er nun etwas erfahren kann, was er in seiner Überdynamik niemals zugelassen hätte. Denn durch das Loslassen von Fixierungen kann das Leben selbst dem Menschen etwas geben, das er bislang nicht kannte. Plötzlich gehen viele Dinge, die einem etwas bedeuteten, dahin und machen Platz für eine größere Sinnhaftigkeit. Man ist zwar noch nicht alt, aber auch nicht mehr jung, und man spürt, dass die Zeit gekommen ist, Ordnung im Leben zu schaffen, wenn man es bislang versäumt hatte. Es entsteht der letzte Abnabelungsprozess vom Elternhaus und von Autoritäten oder einengenden Menschen innerhalb des Umfeldes.
Alle Ängste, die in dieser Zeit aufsteigen, entstehen durch die Ungewissheit und den Verlust von Kontrolle, sind aber meist unbegründet. Oft ist es so, dass viele Menschen ab diesem Zeitpunkt besonders erfolgreich werden, weil sie durch die Aktionen ihrer gestaltenden und kontrollausübenden Ich-Kräfte den Strom in den vorangegangenen Lebensphasen blockiert hatten. Jetzt, da sie losgelassen haben, können viele Dinge im Leben Platz nehmen. Ab jetzt beginnt der Mensch nach seinem Schlingerkurs jenen Teil zu erhalten, der ihn noch direkter mit seiner Bestimmung verbindet.
Die zweite Lebenshälfte
Die zweite Lebenshälfte sollte man verstehen als eine Lernphase, die den Menschen kontinuierlich vorbereitet auf den Weg, der aus dem Leben hinaus führt. Hat man sich in der ersten Lebenshälfte in der Welt verwurzelt und dort einen Platz eingenommen, so wird es nun bedeutsam, sich dem geistigen Aspekt des Lebens zuzuwenden. Selbst wenn es manchem fatal oder morbid erscheinen mag, sich auf das Ableben vorzubereiten, vermag man hier zu definieren, dass sich nun in genau umgekehrter Form etwas vollzieht, das vergleichbar ist mit der Phase zu Antritt der Existenz, in der sich der Mensch auf das materielle Leben mit all seinen Facetten und Erfordernissen vorbereitete. Auch im ersten Lebensquartal erscheint es vielen Jugendlichen nicht besonders wichtig, sich auf den Ernst des Erwachsenenlebens vorzubereiten, doch sie folgen dem Strom des Wachstums in die Form hinein. Der Zuspruch ihres Umfeldes lässt sie immer mehr die Bedeutsamkeit ihrer Weichenstellung erkennen.
Mit dem Übergang in die zweite Lebenshälfte findet häufig eine Verdrängung der eigentlichen Inhalte statt. Man meint, Versäumnisse nachholen zu müssen, oder versucht, mit der jüngeren Generation mitzuhalten. Wer sich in einer solchen Phase zurückorientiert, wird eine Menge Enttäuschungen erleben, denn er befindet sich damit in einem Strom gegen das zeitliche Erfordernis seines Lebens. Natürlich sind die anstehenden Erfordernisse der beginnenden zweiten Lebenshälfte nicht als ein verkrampfter Schritt in eine Richtung zu verstehen, die fortan die schönen Dinge des Lebens negieren soll. Auch gilt es nicht, sich von der bisherigen äußeren Lebensführung abzuwenden, um einen schrulligen Rückzug zu pflegen, sondern vielmehr sich zusätzlich neue Zeiträume zu schaffen für die Arbeit an sich selbst. Dies bedeutet, eine Prioritätenverschiebung vorzunehmen, indem man das Leben einmal darauf untersucht, wo man möglicherweise wertvolle Zeit verschwendet, die man auch anders, nämlich sinnvoll, nutzen könnte. Wer überwiegend als Ausgleichsentspannung die Zerstreuung sucht, muss sich nicht wundern, wenn er irgendwann einmal wirklich zerstreut ist.
Da gibt es, auch wenn man glaubt, sie gehörten zur Lebensführung dazu, eine Fülle von Zeitfressern, wie beispielsweise das Fernsehen, Shoppingexzesse mit Schaufensterbummel, der Garten, der auch mit wilden Blumen schön aussieht, langweilige Partys, Chaträume im Internet etc. – lauter Zeitfresser, die meistens ein schales Gefühl hinterlassen und obendrein kostbare Lebensenergie rauben. Der größte Hemmschuh ist in dieser Umorientierung stets die eigene Trägheit, die überwunden werden will. Hier benötigt es die Erkenntnis der Notwendigkeit. Diese kann allerdings nur entstehen, wenn man erste Schritte in ein fremdes Land getan hat, wie es schon der alte Spruch besagt: "Ein Weg von tausend Meilen beginnt mit einem Schritt." Wenn man ab dieser Zeit vermehrt beginnt, nach dem eigentlichen Sinn der Existenz zu forschen, mit den zentralen Fragen des “Woher – Wohin – Was ist der Sinn”, die man nicht zwingend einer esoterischen Weltsicht zuordnen sollte, denn sie gehen jeden Menschen an, legt man die Basis für ein erfolgreiches Leben, welches nach der Verwurzelung in der materiellen Welt seine Krönung durch geistige Inhalte erhält. Im Vergleich zu der Schlüssigkeit der Entwicklungsprozesse der ersten Lebenshälfte läuft bei vielen Menschen nun einiges aus dem Ruder. Das liegt daran, dass man sich für den Einstieg in die Welt rüstete, indem man einen Beruf ergriff, sich verwurzelte und begann, in der Welt eine Spur zu zeichnen.
Nach dem Überschreiten der zweiten Lebenshälfte verändern viele Menschen an dieser Dynamik nichts mehr und halten an dem einmal eingeschlagenen Kurs fest. Ein großer Teil der Menschen geht völlig unbewusst auf das Ende seines Lebens zu, ja verdrängt sogar die Themen des Sterbens und der Phase danach.
Dies ist schade, denn würde er mit der gleichen Akribie, die er für die Gestaltung seines Lebens aufbrachte, auch sein Ableben durch entsprechende Auseinandersetzung und geistige Praktiken vorbereiten, würde der Mensch bis ins hohe Alter Glück und inneren Frieden erfahren. Die nun folgenden Lebensphasen sind nämlich als Stufen zum inneren Menschen zu verstehen, und sie machen deutlich, warum sich der Mensch ab dieser Zeit mit einer veränderten Stimmungslage konfrontiert sieht.
Der 7. Lebensabschnitt:
42. - 49. Lebensjahr
Diese Phase ist der Auftakt für die Auseinandersetzung mit sich selbst. Es geht darum, das eigene Unbewusste wie auch die eigenen inneren Welten zu erforschen. Oft ist es eine Zeit, in der Krankheit und kleinere gesundheitliche Störungen die Aufmerksamkeit des Menschen auf sich ziehen. Da Krankheit stets als eine Sprache des Unbewussten zu werten ist, bedeutet dies, dass die Beschäftigung mit dem eigenen Unbewussten, also mit seinen inneren Seelenräumen, nicht entsprechend ausgeführt wird und der Mensch über das Symptom in die unerlöste Variante des Erfordernisses geführt wird. Da bei vielen Menschen ab dieser Zeit die Sicherungsbedürfnisse das Regiment übernehmen und die bleierne Stimme der Vernunft die lebendige Stimme des Herzens zum Schweigen bringt, kommt es fortan zu dem Erfordernis, dass der Körper nun das ausdrückt, was der Mensch mittels der Vernunft erfolgreich verdrängt. In diesem Zeitraum verringert sich oft die Stoffwechselleistung des Körpers, die Nahrungsverwertung erfolgt nicht mehr entsprechend. Symbolisch bedeutet dies, dass die innere Verarbeitung äußerer Lebensimpulse heruntergeschaltet wird, weil nichts Neues mehr im Leben stattfindet. Der Stoffwechsel ist das Kraftwerk des Organismus, das Energie und Freude entstehen lässt. Da bei vielen Menschen ab dieser Zeit nichts Nennenswertes mehr entsteht, drückt dies die Seele über den Körper aus: Der Stoffwechsel brennt nur noch wie ein schwaches Lichtlein. In der Folge stellt sich dann eine latente Antriebsschwäche ein sowie ein schwelender Unmut darüber, dass wesentliche Selbstverwirklichungselemente auf der Strecke bleiben. Die gebundene Energie aus der mangelnden Umsetzungskraft verwandelt sich dann in Aggression und später in Melancholie. Dies weist darauf hin, dass der Mensch sich seinem Unbewussten zuwenden sollte, um seinen inneren Anteil an dem äußeren Erleben zu erkennen und so die Eindrücke des Lebens in entsprechende Erkenntnisse zu verwandeln.
Wann immer der Mensch Energie daransetzt, seine Seelenwelt zu erforschen und die Wurzel seiner veränderten Stimmungslage zu ergründen, wird ihm dies sehr hilfreich sein. Oft sind Menschen in dieser Phase von Ängsten geprägt, weil sie spüren, dass ihre Leistungsfähigkeit nachlässt. Doch ganz entgegen der Vermutung beginnen sich gerade in diesem Zeitraum Dinge zu verwirklichen, um die man sich zu anderen Zeiten besonders bemüht hatte. Dies geschieht, weil man langsam aufhört, besessen manche Ziele zu verfolgen. Man legt damit die Grundlage für die Verwirklichung von energetischen Wunschfrequenzen, die man zeitlebens durch seine Sehnsüchte und die Kraft des Willens in den Äther gesandt hatte – denn erst nach dem Loslassen beginnen sich diese zu manifestieren.
Macht man es sich recht bewusst, dann gibt es eigentlich, was die berufliche oder äußere Verwirklichung anbelangt, nichts Neues mehr zu erleben. Alles ist bisher schon durchlebt worden, und wenn man ehrlich zu sich selbst ist, erfüllen einen die kleinen Erfolgserlebnisse des Lebens nicht mehr so wie in dem vorangegangenen Zeitraum vom 21. bis zum 39. Lebensjahr. Hat man vielleicht ein berufliches Ziel erreicht, sich einen materiellen Wunsch erfüllt, bleibt das frühere Weihnachtsleuchten im Blick aus, denn man weiß ja bereits um die Relativität der Erfahrungswelt und kennt die ewig gleichen Wiederholungen. Sicher gibt es auch Menschen, die sich mental weiterhin in Begeisterung versetzen, aber das ist nur Verdrängungsschminke, die, wenn sie mal nicht so dick aufgetragen ist, in stillen oder in alkoholisierten "weinseligen" Momenten den wahren Untergrund durchschimmern lassen.
Man könnte sagen, dass ab hier das Abenteuer der Selbstentdeckung beginnt. Auf einer inneren Ebene entspricht diese Phase nun dem Abschnitt nach der Geburt, nämlich einer ersten Auseinandersetzung mit einem neuen Zustand. Man erkennt die Relativität der äußeren Anstrengung als eine lästige Mühe, und es weicht das Bedürfnis, im ständigen Balzgehabe sich und anderen etwas beweisen zu müssen. Die großen Siege, die hier errungen werden, bestehen aus Reflektion und Selbstbegegnung, die allerdings kühl und wertfrei erfolgen sollten, ohne große Selbstverurteilungen auszuführen. Alles, was man bisher erreichte, sollte man als Stufen zum gegenwärtigen Lebenszustand erkennen. Selbst Erkenntnisse, die dazu geführt hatten, sich möglicherweise nochmals zu verändern, konnten nur aus dem Vorangegangenen entstehen – denn Fehler sind dazu da, damit man Korrekturen vornimmt. Jetzt wird quasi die Lebensernte eingebracht, die die Voraussetzung schafft, mit Erkenntnisvorräten über die Winterphase des Lebens zu kommen.
Natürlich besteht auch in dieser Lebensphase die Gefahr, dass man das eigentliche Erfordernis nicht erkennt und in die genau entgegengesetzte Richtung strebt. Viele erleben in dieser Zeit den letzten Aufschrei der Ich-Kräfte, und sie versuchen, mit der jüngeren Generation Schritt zu halten. Sie nehmen modische Kleidungsmerkmale stärker auf, eignen sich aus der Terminologie der jüngeren Generation Ausdrucksformen an, weil sie das Gefühl haben, den Anschluss zu verlieren.
Doch wer in die falsche Richtung strebt, könnte sich leicht verausgaben, denn er verliert mit einer solchen Haltung nicht den Anschluss an die Jugend, sondern an das Erfordernis der gegenwärtigen Lebensphase. Dies hat zur Folge, dass melancholische Stimmungen und Depressionen zunehmen und ihn mahnen, seinem inneren Auftrag nachzukommen, der darin liegt, die geistige Wurzel des Menschseins zu erforschen.
Alles ist in dieser Phase neu und ganz anders. Ähnlich verhält es sich ja auch in der ersten Lebensphase von der Geburt bis zum 7. Lebensjahr. Genauso wie es in dieser ersten Phase bedeutete, in der Welt anzukommen, erst einmal Platz zu nehmen im Leben, ist es auch jetzt in dieser ersten Phase nach dem Überschreiten der Lebensmitte. Der Ernst des Lebens hat noch nicht begonnen, es geht darum, sich mit den neuen Bedingungen erst einmal vertraut zu machen. Der neue Zustand will angenommen werden, alles fühlt sich irgendwie anders an, obwohl sich ja konkret im Leben nichts verändert hat. Es ist also der veränderte innere Zustand, der dieses neue Gefühl aufkommen lässt. Ab diesem Zeitpunkt sollte man wesentlich bewusster mit den Zeitverläufen umgehen, nach vorne schauen und stets den Vorteil in der sich erweiternden Innenschau sehen. Auch ist es wichtig, einfach einen Takt herunterzuschalten, und vor allem sollte man sich in Gelassenheit üben und nicht versuchen, sich mit jüngeren Menschen zu messen. Das große Plus ist dabei die Souveränität und die Lebenserfahrung. Wie sehr sind doch die Menschen im Alter vor der zweiten Lebenshälfte in ihrer Unsicherheit gefangen und erschöpfen sich an ihrem Geltungsbedürfnis, dem weltlichen Balzgehabe, das aus den übersteigerten Trieb- und Sexualkräften resultiert.
Besinnt man sich auf die sich verändernden Werte, dann beginnt eine schöne Zeit, in der es viel in den inneren Welten zu entdecken und zu erfahren gibt. Das Abenteuer der echten Selbstentdeckung hat begonnen.
Lesen Sie ab März über die fünf Lebensphasen vom 49. bis 84. Lebensjahr, jener aufkeimenden Herbst-/Winterzeit des Lebens, in der das innere Licht zu erstrahlen vermag.
Herzlichst
Randolf Maria Schäfer
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