Randolf Schaefer

Forum für hermetische Kunst und Kultur
& Astrosophische Praxis



Auf dem Weg zu einem neuen Bewusstsein

Liebe Leserinnen und Leser,

haben Sie sich auch manchmal die Frage gestellt, ob das Leben, das Sie führen, selbst- oder fremdbestimmt ist? Woher kommen die Bedürfnisse des Menschen, was bestimmt sein Denken, seine Handlungsweisen und seine Ziele? Sicher sind dies heikle Fragen, denn wenn man ihnen kritisch nachgeht, dann wird man sehr schnell herausfinden, dass vieles, was man für ganz selbstverständlich im Leben hält, gar nicht aus den eigenen Bedürfnissen erwachsen ist. Ein besonderes erstes Anliegen auf dem geistigen Weg der Bewusstwerdung ist es, dass der Mensch innerlich erwacht. Dieses Erwachen hat mehrere Sequenzen. Die erste Stufe bedeutet, dass man lernt, zu seinen wirklichen, eigenen Intentionen zu finden, was in der Konsequenz zur Unabhängigkeit und zur Lösung von den allgemeinen Bedürfnissen führt. Verschafft sich der Mensch den Zugang zu seinen inneren Welten, wird er sehr bald diese Stufe des Erwachens erreichen, und er wird erkennen, dass vieles innerhalb seines Lebens, was er glaubt, rea lisieren, besitzen und ausführen zu müssen, gar nicht seinen eigenen Intentionen entspricht. Er wird erkennen, dass er etwas lebt, was ihm gesellschaftliche Instanzen auferlegt haben, und er wird die Stimmen, die ihn täglich manipulieren, entlarven, so dass sie ihre Macht über ihn verlieren.

Zu diesen Stimmen gehören in erster Linie die Medien mit ihren "Lifestyle-Experten" der unterschiedlichsten Bereiche, zu denen aktuelle Magazine, Trendzeitschriften, die Radiosender, die Fernseh- und Filmindustrie, das Internet, die Werbebranche, die Konzerne und viele mehr gehören, die ihn ständig mit Bildern, Idolgestalten, Anliegen, Lebensformen berieseln, denen er dann in der persönlichen Imitation folgt.
Durch diese Institutionen werden unbemerkt Trends kreiert, die wiederum die Menschen zu Interessengruppen zusammenbinden, in denen er sich heimisch fühlt. Die genannten Institutionen gaukeln dem Menschen Lebensbilder vor und wecken entsprechende Bedürfnisse, die er dann glaubt, erfüllen zu müssen. Da diese Bilder so vielfältig und teilweise subtil in den Lebensverlauf eingewoben sind, fällt es kaum auf, dass das Kollektiv auf diese Weise einer permanenten Manipulation ausgesetzt ist. Man schaut sich Filme an, in denen bestimmte Lebensgewohnheiten dargestellt, Kleidungsstile getragen werden, Wesensmerkmale ihren Ausdruck finden. Dadurch übertragen sich ganz subtil die Botschaften, die bei der nächsten Kaufgelegenheit realisiert werden. Oder das Verlangen wird geweckt, einem bestimmten Lebensstil zu entwickeln, weil die Art der Vorbilder als imponierend empfunden wurden. In der Stadt begegnen einem Menschen, die wie Clondoubles ihrer Idole aussehen. Männer mutieren in Haar- und Barttracht zu Stefan Raab-Clons und signalisieren damit auch gleich, wes Geistes Kind sie sind. Oder junge Frauen verwandeln sich hundertfach zur Britney Spears-Copy durch Frisur und Outfit. Man oder Frau trägt Tatoos ihrer Vorbilder und nierenfreie Mode und manchmal erblickt man in den Ausläufern einer Gesäßfalte oder auf demselben einen kleinen blauen Schmetterling, als polares Symbol zu den nahen Frühlingswinden. Insider raunen sich verschmitzt zu: "Welches geheime Tatoo trägst Du?" Natürlich verbirgt sich hinter solch einem Trendsetting auch stets ein ökonomischer Aspekt, der wiederum die Wirtschaft ankurbelt, die den Menschen als willigen Verbaucher benutzt, damit die vielfältigen Nonsensprodukte ihren Absatz finden. Beispielsweise wird aus dem forschen Wandern, ein "Nordic Walking" und alsbald findet man allen Ernstes erwachsene Menschen, die mit Leichtmetallstöcken durch die Naherholungsgebiete herumstakeln wie einst Neill Amstrong auf dem unwegsamen Gelände des Mondes. Was müssen die Schöpfer dieses Trends für einen unglaublichen Spaß bei der Entwicklung und dem Gedanken gehabt haben, dass bald hunderttausende Lemminge diesem Trend folgen. Es braucht dann noch einen prominenten Exerzitienmeister, der die Obskurität vormacht und schon kann es im Kollektiv losgehen. Passend dazu gibt es dann die geeigneten Hosen, Jacken, Schuhe und Stöcke und jede Menge Anbieter von Seminar- und Fernreisen.

Seit dem es durch die Medien raunt, dass Madonna sich mit der Kabbala beschäftigt, wird wohl auch bald die altehrwürdige heilige Lehre auf den Straßen des Marktes breit getreten werden. Bleibt abzuwarten, wann die ersten Kabbalaprodukte auftauchen - T-shirts mit dem Lebensbaum und einem coolen Spruch drauf (z.B. "Ich will leer sein, damit ich angefüllt werden kann!"), vielleicht auch ein "Malkuth-Yoghurt" von Müller oder ein "Jesod-Schlaftee" aus dem Wellnessortiment wäre auch nicht schlecht. Oder wie wäre es mit einer "Tiphereth-Sonnencreme" - Wellnes für die Haut, damit sie zum Lichträger werden kann. Bei den Fans von Alkopops käme ein Bräu mit dem Namen "Kether" bestimmt gut an... "öfters mal einen in der Krone haben!"
Lifestyle und Lifedesign sind die Schlüsselworte, die den scheinbaren Individualisten zur Massenmarionette machen. Wie kann das geschehen? Wie ist es beispielsweise möglich, dass tausende Menschen die gleichen Modefarben tragen oder nur noch schwarze oder anthrazitfarbene Autos fahren und dabei noch glauben, ihre Vorlieben seien individuell? Wie kommt es zu dem irrsinnigen Phänomen, dass Menschen massenweise eine Vorliebe für Piercing entwickeln, Silberkugeln in Nase, Lippen, Zungen und Augenbrauen oder in Intimbereich tragen und dabei so aussehen, als hätte man bei einem Kaufhausprodukt vergessen, die Sicherungsplombe zu entfernen?

Viele Menschen sehnen sich nach Glück und Erfüllung in ihrem Leben, und stets finden sie in den Bildern des Umfeldes die entsprechenden Anregungen, die sie glauben lassen, dass sie zu dem ersehnten Zustand des Glückes fänden, wenn sie in gleicher Weise agieren. Dies ist natürlich ein Trugschluß, denn alles, was man übernimmt in dem Bedürfnis, dadurch einen ersehnten Glückszustand zu erfahren, währt immer nur sehr kurz. Denn Glück kann nur aus dem kreativen eigenen Inneren entstehen.
Glück beginnt mit der Aussöhnung der Realität. Eine Frau leidet beispielsweise an einer Weiblichkeitsproblematik, sie findet ihren Körper nicht attraktiv, weil sie eine Veranlagung zur Bindegewebsschwäche hat. In den Medien sieht sie ständig Vorbilder, die dem Schönheitsideal der häufig essgestörten Generation (Jahrgänge 1972-1984) entsprechen und ihr suggerieren, dass sie nur dann attraktiv ist, wenn sie diesem Schönheitsideal entspricht. Sie hungert, kauft sich die entsprechenden diätetischen Produkte, geht ins Sportstudio und umkreist ständig ihre Thematik, in der Hoffnung, auf diesem Weg glücklich zu werden. Mit der Zeit hält sie ihre Lebensgestaltung für ganz normal. Doch innerlich glücklich wird sie nicht, weil sie sich nicht mit sich selbst und ihrer natürlichen Schönheit aussöhnt. Nur der kleinste Fehltritt und das verdrängte Drama bricht als Depression wieder über sie herein.
Oder ein Mann sehnt sich nach Erfolg und Anerkennung und beginnt, seine Vorbilder, die er in vielfältiger Form vorgespielt bekommt, zu kopieren. Dies beeinflußt sein Kaufverhalten und seine Vorlieben, weil er der Ansicht ist, dass die entsprechenden Accessoires zu einer bestimmten Gruppe der Erfolgsmenschen dazugehören. Es brauchen beispielsweise nur die Autovorliebe oder die Kleider- oder Schuhmarke des Kanzlers bekannt zu werden, schon schnellen die Produkte aus Ingolstadt in die Garagen und von Brioni in die Schränke aller Neuaufsteiger. Sie finden nur deshalb Zugang dorthin, weil sie mit ihrer Aura suggerieren, dass es heute auch dem kleinen Mann von der Straße gelingen kann, an die Spitze der Macht zu kommen. Doch der Schein allein macht nicht glücklich, auch im Falle des Kanzlers. Er vermittelt nur für einen kurzen Moment ein Lebensgefühl, wie ein Aufputschmittel, dass über längere Zeit eingenommen wird und alsbald seine Wirkung verliert.

Es gibt seitens der Medien und der Werbebranche sehr ausführliche Studien und Erhebungen über die Gewohnheiten von Menschen und deren Vorlieben. Darin ist festgehalten, welche Zielgruppen auf ganz spezifische Signale reagieren, die dann strategisch eingesetzt werden, um Bindung zu erzeugen. Gerade die Altersgruppe der Menschen zwischen zwanzig und zweiunddreißig Jahren sind besonders gefangen im Netz der kollektiven Leitbilder des Lebens. Sie sind häufig gefangen von dem Bedürfnis, mit dazu gehören zu wollen. Der Zugang zur Individualität scheint ihnen versperrt, weil sie so anfällig sind von den Lifestyle-Massendoktrinen verführt zu werden. Was immer der Großteil der Menschen heute glaubt zu sein oder erfüllen zu müssen, hat selten etwas mit der eigenen inneren Wirklichkeit zu tun, da viele nur die Bilderimplantate verwirklichen, die man ihnen vorspielt. Die Problematik, die sich dabei stellt, liegt in der Ausrichtung auf die äußeren Gegebenheiten, die vom eigentlichen Sinn des Lebens hinwegführen. Die meisten Menschen leben deshalb in Bilderwelten, weil sie hoffen, auf diese Weise das ersehnte Glück zu erlangen. Mit der Zeit, wenn der Mensch merkt, dass sich seine Vorstellungen nicht realisieren lassen, da Glück ein Zustand ist, der nicht über Äußerlichkeiten zu erreichen ist, gleitet er in Unzufriedenheit und Depressionen ab.

Heute ist es durch die wirtschaftliche Talfahrt bereits so, dass viele Menschen sich einem Zustand annähern, der sie durch Unzufriedenheit ihre fatale Situation bewusst werden läßt. Die Krise in der die Menschheit steckt, birgt aber auch gleichzeitig eine große Chance, nämlich sich auf das Wesentliche zu reduzieren. Dadurch, dass viele Dinge nicht mehr realisierbar sind, werden die Menschen gezwungen sein, den eigentlichen Sinn des Lebens zu ergründen. Ein neues Zeitalter der Rückbesinnung auf das Wesentliche ist im Anbruch. Nur der wird in Zukunft auch weiterhin glücklich sein, der rechtzeitig gelernt hat herauszufinden, was er für sein wahres Seelenheil benötigt. Dabei kann es sehr hilfreich sein, sich von den Bedürfnissen zu lösen die nicht aus einem selber stammen. Wie viele Menschen versuchen, sich an anderen zu orientieren, wie diese zu leben und glauben, dass sie dies auf gleiche Weise tun müssten. Wer jetzt lernt, einmal inneren Hausputz zu halten, indem er sich von Bedürfnissen trennt, die aus dem Kollektiv oder dem bewunderten Umfeld stammen, wird dadurch sehr bald einen Zustand des Einklangs erfahren. Unzufriedenheit, Neid und Mißgunst entstehen im Ergebnis, wenn man sich an anderen misst. Geistiges Erwachen bedeutet, dass der Mensch seinen Weltenschlaf realisiert, dass ihm bewusst wird, was er eigentlich während seiner Existenz macht und wessen Leben er eigentlich führt. Beginnt man sich in vermehrtem Maße diese Frage zu stellen, dann findet man zu einer Eigenständigkeit, die hinausführt aus den bestehenden Anbindungen. Das Bedürnis, sich aus den Fesseln der kollektiven Verordnungen zu lösen nimmt zu und man wird eigenständiger.

Das erwachende Bedürfnis sich aus dem Status des leicht lenkbaren Massenmenschen zu lösen, ist einer der zentralen Gründe dafür, dass die Philosophien der geistigen Entwicklungswege oft diffamiert und ihre Anhänger verfolgt worden sind. Ein Mensch, der einen Weg geht, verliert mit der Zeit seine Manipulierbarkeit und beginnt, ein eigenständiges und unabhängiges Leben zu führen. Mit der Zeit greifen die Programme der anderen nicht mehr und es findet ein Ablösezustand statt. In den Anfängen eines solchen Weges kann das auch als Verunsicherung empfunden werden, denn man durchläuft Phasen, in denen man seine Eigenständigkeit immer deutlicher verspürt, aber auch gleichzeitig den Verlust der Geborgenheit, die einem die Masse zuvor vermittelt hatte. Man sieht sich genötigt, Abschied zu nehmen von Menschen, mit denen man sich vorher noch verbunden fühlte, weil man sich weiterentwickelt hat. Häufig kommt es daraufhin zu einem inneren Ringen, da man sich nicht ganz sicher ist, ob es leichter wäre, in die Getragenheit der Masse zurückzukehren. Doch wer einmal jenen befreiten Zustand erreicht hat, vermag nicht mehr in den alten Trott einzuscheren. Für ihn bedeutet dies, in der Dynamik fortzufahren und nicht mehr zurück zu schauen. Solche Zustände sind bekannt und werden in den Überlieferungen alter Mysterienschulen beschrieben. Sie erwachsen aus dem Löseprozeß, da jeder Mensch zwei Seiten in sich trägt - eine, die sich gerne in die Sicherheit des weltlichen Verbundes einigelt und eine andere, die sich aus der Gebundenheit der Allgemeinheit befreien möchte. So muß der Mensch auf seinem Weg stets mit den eigenen Gegenkräften ringen, um diese zu überwinden.

Ist dem Menschen auf dem Weg die Lösung aus den weltlichen Leitbildern gelungen, dann vermag er sich an eine höhere Bewusstheit anzubinden. Auf seinem Weg lernt er, dass es aufbauende Kräfte im Kosmos gibt, die inspirierend wirken, wenn er sich auf diese abstimmt. Durch seine veränderte Resonanz gerät er in einen anderen Einflußbereich, der nur dann entstehen kann, wenn das stoffliche Bindungsprogramm durchschaut wird. Schlägt man auf einem Klavier einen bestimmten Ton permanent an, dann beginnt nach einer gewissen Zeit, wenn sich in der Nähe des Klaviers ein Saiteninstrument befindet, die Saite mit dem gleichen Ton des anderen Instrumentes mitzuschwingen. Eine solche Begebenheit folgt dem Gesetz der Resonanz. Dieses besitzt auch auf der geistigen Ebene eine Gültigkeit für den Menschen. Liegt die Tonvorgabe nur in der profanen Äußerlichkeit, so kann das Kollektiv nach dem Resonanzgesetz auch keine anderen Intentionen hervorbringen. Dies zu erkennen ist sehr bedeutsam! Eine Abwendung von den Misstönen der Impulsgeber kann eine Wandlung bewirken. Besonders wenn man sich geistig inspirierenden Themen zuwendet, speist man auch auf diese Weise das Umfeld und es findet eine Resonanzumkehr statt.
Denn das, was sich im Kleinen in der Welt vollzieht, ist nur der Abglanz einer höheren Gesetzmäßigkeit, die den Menschen im Sinne des Weges der Rückbindung zu speisen vermag. Verändert der Mensch seine Resonanz, dann wird er auch von aufbauenden geistigen Kräften gespeist, die ihn aus den weltlichen Anbindungen lösen. So betrachtet, ist der Mensch in seiner Individualität gesteuert. Er hat die Möglichkeit, sich zu lösen, die Ebene zu wechseln, die ihn, je profaner sie ist, tiefer im Sumpf der weltlichen Bindungen festhält. Er vermag sich durch seine Erkenntnisprozesse dem Resonanzbereich geistig höher stehender Energien zu öffnen und vollzieht damit einen Wandel in seinem Bewusstsein, der sich zwangsläufig auf das Umfeld übertragen wird.
In dieser höheren Form der Erhebung setzt sich der Mensch dem Einfluß der geistigen Kräfte aus, die den Menschen in aufbauendem Maße fördern. Wenn diese Anbindung bewusst gepflegt wird durch Meditation und Abstimmung auf den Kosmos, erfährt der Mensch den tragenden und inspirierenden Einfluß von geistigen Gewährsinstanzen, die ihn durch die Lebenszyklen zur Entfaltung führen. Bleibt der Mensch in seiner vorwärts gerichteten Dynamik standhaft und erträgt den Ablöseprozeß aus den weltlichen Bindungen, wird er vollkommen eigenständig und durchschaut das Spiel der Welt immer nachhaltiger.

Mit Spott und Zynismus ist man stets den Menschen begegnet, die sich dem Thema der Sinnsuche zugewandt haben. Heute ist man immer noch bestrebt, demjenigen, der sich mit Esoterik beschäftigt oder dem, der einen Weg der Selbsterfahrung geht, das Mäntelchen des weltfremden Träumers überzuhängen. Oder man bezeichnet ihn als Egoisten, der sich nur in einer Art Bauchnabelschau um die eigenen Probleme kümmert. Obwohl sich eine beträchtliche Zahl von Menschen mit dem Thema der Sinnsuche beschäftigt, keimen die Bestrebungen immer wieder auf, die Thematik zu diffamieren, um ein Verhinderungsklima zu erzeugen, damit sich nicht zu viele aus der Illusion der Gesamtheit lösen. Dies liegt aber nicht daran, dass es bei den Diffamierenden an der geistigen Kapazität des Themenverständnisses mangelt, sondern es geschieht aus Absicht, um die Masse der Menschen weiterhin in ihrem Verbraucherbewusstsein unten zu halten. Aus diesem Grund sollte sich jeder Einzelne täglich bewusst machen, dass er von anderen gedacht und missbraucht wird. Die Freiheit, die er besitzt, besteht darin, zu erkennen, dass das, was man ihm als das Leben vorgaukelt nur eine Fatamorgana ist. In vielen Kulturen, im Westen wie im Osten, wurde immer wieder gelehrt, dass die Menschheit in ihrer Gesamtheit nur dann gesunden könne, wenn jeder einzelne sich selbst vollendet.
In einer alten Schrift des Kung-Tse mit dem Titel: "Die höhere Bildung" heißt es:. "Der Weg der höheren Bildung besteht in der klaren Entfaltung der ursprünglichen inneren Anlagen, in der Liebe zur Menschheit und darin, dass man sich die höchste Tüchtigkeit dabei als Ziel setzt."
Daraus läßt sich folgern:
1) Wenn man sein Ziel kennt, so gibt das Festigkeit.
2) Festigkeit allein führt zu Ordnung und Ruhe.
3) Innere Ordnung und Einklang allein führen zum inneren Frieden.
4) Der innere Friede ermöglicht ernstes und besonnenes Nachdenken.
5) Ernstes und besonnenes Nachdenken führt zum Gelingen.
6) Jedes Thema hat einen ursprünglichen Stamm und viele Verzweigungen, jede Handlung besitzt einen Anfang und ein Ende.
7) Dadurch, dass man erkennt, was zuerst und was nachher kommt, nähert man sich dem rechten Weg an.

In den alten Traditionen auf dem gesamten Erdkreis stand an erster Stelle die Entfaltung der inneren Anlagen des Menschen. Sie lehrten den Menschen die Gesetze der Wirklichkeit zu studieren, um folgende sich bedingende Reaktionen hervorzurufen:
1) Aus den Erkenntnissen der geistigen Gesetze kann der Mensch sich in Einklang mit diesen bringen.
2) Aus der Beobachtung der höheren Wirklichkeit erlangt man Erkenntnis.
3) Durch Erkenntnis und Vergeistigung werden äußere Resonanzen verändert.
4) Durch dieses Wachstum erlangt man eine rechte Gemütsverfassung.
5) Durch eine entsprechende Gemütsverfassung erreicht man eine Veredelung der Persönlichkeit.
6) Durch die Veredelung der Persönlichkeit ordnet sich das äußere Leben.
7) Durch die Ordnung des eigenen Lebens erlangt man Ordnung im Ganzen.

Dies gilt für jeden Menschen, denn die Veredelung der Persönlichkeit ist der Stamm der Existenz. Das wichtigste Erfordernis ist also die eigene Veredelung, die ohne den bewussten Anschluß an das Geistige nicht erreicht werden kann. Im Kollektiv ist man noch weit davon entfernt.
Jeder einzelne sollte sich seiner Verantwortung bewusst sein. Die Veränderung, egal was draußen auch geschieht, kann nur in einem selbst vonstatten gehen. Im Vergleich zu den alten Lehren und dem heutigen Stolz auf wirtschaftliche, soziale, wissenschaftliche medizinische und politische Errungenschaften und Leistungen müßte man vor Scham vergehen, denn an den alten Lehren gemessen, ist das heutige Bewusstsein kindisch und barbarisch zu nennen.
Das Verhalten des Kollektivs ist die polare Wurzel, aus der die Veränderung sich vollziehen kann. Wenn der unterste Punkt in der Gesellschaft erreicht ist - und wir nähern uns ihm in Niveau und der daraus resultierenden Verzweifelung an - dann vermag die Umkehr in eine andere Richtung möglich werden. Wer jetzt wieder seine Lebensausrichtung in Selbstbesinnung, Befreiung von gesellschaftlichen Scheinaktivitäten, Selbstbewusstsein, geistiger Kultur, ethischem Bewusstsein, sozialem Verantwortungsgefühl und Engagement findet, legt damit ein starkes Fundament für die Zukunft.
Wenn man in die sich anbahnende wirtschaftliche und soziale Entwicklung Dimension hinein gibt, dann wird deutlich werden, dass die schlaraffenlandartigen Zeiten der siebziger, achtziger und neunziger Jahre am ausklingen sind. Deshalb ist es auch empfehlenswert, sich von den noch aus dieser Zeit resultierenden gesellschaftlichen Scheinaktivitäten zu lösen. Man muß nicht mit allen Trends, in Kultur, Sport, Lebensart etc. mithalten, sondern sollte versuchen, zu seinem eigenen Stil zu finden. Eine gesunde Form des Verweigerns, was Konsumzwänge anbelangt, sowie ein frühzeitiger Weg in die Freude an der Einfachheit der Dinge, vermag dem Reichtum von heute echte Dankbarkeit und Freude abzugewinnen. Hat man gelernt, sich freiwillig zu bescheiden, dann wird dies, sollte sich dieses Thema einmal zu einer Notwendigkeit entwickeln, für den der es frühzeitig zu seiner Prämisse gemacht hat, nicht zu einem Drama werden. Mit einer derartigen Erkenntnis läßt sich auch ein tiefgreifender Einfluß auf unser Umfeld und das Kollektiv ausüben. Das heißt nicht, dass man das weltliche Leben negieren sollte, um einen Rückzug aus dem allgemeinen Geschehen anzutreten, sondern nur, dass man danach streben sollte, alles, was an einen herantritt, vom innersten Keim aus zu prüfen und dabei selbstbewusst und wach zu bleiben. Wer das zustande bringt, wird auf seine Art zum Trendsetter, er gibt der Gemeinschaft das was ihr fehlt - nämlich Lebenssinn und ein geistiges Bewusstsein.

Herzlichs Ihr,
Randolf M. Schäfer

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