Randolf Schaefer

Forum für hermetische Kunst und Kultur
& Astrosophische Praxis



ZEITGESCHEHEN

Die Einschränkung der Subjektivität: Saturn im Krebs


im Editorial des Einblick 8/2000 beschrieb ich die Lernerfahrung, die mit Saturn im Tierkreiszeichen Zwillinge für die Menschen in der damals aktuellen Zeitqualität und der sich anschließenden Zeitphase bedeutsam werden sollte. Die Lernaspekte bezogen sich vor allem auf die Funktionen in der Welt, um zwischen den Zeilen des Erlebens die Antwort auf die Frage herauszukristallisieren, inwieweit der Mensch in seinen Funktionen noch lebendig ist. Mit Saturn im Tierkreiszeichen Zwillinge verwandelte sich die Leichtigkeit des Lebens in den weltlichen Funktionen. Eine gewisse irdene Schwere kehrte in die Lebenserfahrung ein, die Reflexion und Analyse über die bestehende Lebensweise in den Vordergrund rücken liess. Die luftige, unreflektierte Freude am Alltagsgeschehen wurde in eine andere Umgangsweise mit dem Leben verwandelt. Saturn in der Verbindung mit dem Zwillingsprinzip entwickelte eine reduzierende Konzentration und brachte in die merkurisch lockere Lebenseb ene einen Aspekt der Bearbeitung hinein. Mit der durch Saturn in den Zwillingen bestehenden Saturn-Merkur-Thematik wurde es für die Menschen bedeutsam, dass sie sich im Verlauf dieser Zeitqualitä t intensiver den Bereichen der weltlichen Funktionen und Erfordernissen stellten. Das Leben verwandelte sich zu einer Bearbeitungssituation, so als wollte es den Betroffenen signalisieren, sie mö gen sich alle Funktionen und Handlungsweisen sowie den Weg des Lernens und der Wissensintegration noch einmal ganz neu erschaffen. Für viele Menschen fühlte sich die Zeit so an, als kö nnten sie nicht mehr auf die bekannten Aktions- und Reaktionsweisen zurückgreifen, fast schon, als seien die kreativen Gedankenimpulse blockiert oder fruchteten nicht mehr. Man konnte feststellen , dass die Handlungsweisen im Leben nicht mehr dem Quell der eigenen Bedürfnisse entsprangen, sondern lediglich als Antwort oder Reaktion auf bestehende Erfordernisse erfolgten. Das haben wir alle in der Zeit von August 2000 bis dato erfahren. Man denke beispielsweise an die gesamtwirtschaftlichen Probleme mit den daraus resultierenden Unternehmenszusammenbrüchen und Insolvenzen. Ratlosigkeit in der Politik und Denkblockaden bei den Politikern, als wären ihre Hirne eingefroren und dadurch keine Problemlösung in Sicht. Die teilweisen Zusammenbrüche der Verkehrsinfrastruktur aufgrund der Überschwemmungen, die Einschränkung der Mobilität durch Preiserhöhungen....

Randolf M. Schäfer Wenn Sie Einblick gesammelt haben, dann lesen Sie einfach noch einmal das Editorial von 8/2000 (Aufforderung zur Lebendigkeit) und vergleichen Ihre Erlebnisse mit den Darlegungen, vor allem aber mit den in diesem Zeitabschnitt zu integrierenden Lernerfahrungen. So können Sie die Zeit, quasi mit einem Schlussresüme, zu einem konstruktiven Finale bringen.

Nun am 3. Juni 2003 bewegt sich Saturn einen Schritt weiter im Tierkreisgefüge und berührt, indem er in das Tierkreiszeichen Krebs transitiert, ein ganz neues Feld, das den Menschen über die äußeren Gesetzmäß igkeiten ansprechen wird. Der Transitverlauf wird bis 16. Juli 2005 währen. Lerninhalte sind im Leben niemals statisch, ist das eine Thema bearbeitet, eröffnet sich schon das nä chste Feld, das die Zuwendung des Menschen auf sich zieht. Im Tierkreis wird dies sehr schön deutlich, und so vermag sic h auch die dahinter stehende Sinnhaftigkeit zu offenbaren. Saturn transitiert nun innerhalb des mundanen Tierkreises, in den Seelenquadranten. Damit bricht eine vollkommen neue Themenstellung an. In der Zeit vom 7. April 1996 bis 3. Juni 2003 befand sich Saturn im ersten Quadranten des mundanen Tierkreises, der für die konkrete Welt mit all ihren Werten und Funktionen steht. Daraus lä sst sich folgern, dass es in dieser Zeit um eine Vertiefung der Lernerfahrung ging, z. B. wie der Mensch mit dem Leben umgeht und welchen Sinn seine äußeren Funktionen besitzen. Mit dem Wechsel in den Seelenquadranten lässt sich folgern, dass es in der anstehenden Lernerfahrung nun im vermehrten Maße um innere, seelische Zusammenhänge geht. Beispielsweise wie es um das Verhältnis der einzelnen Individuen zum Kollektiv bestellt ist. -

An dieser Stelle möchte ich wie schon oft getan, betonen, dass es mir in meiner Darlegung nicht um eine Prognose geht, sondern lediglich um die Definition des in dieser Zeitqualität bestehenden Lerninhaltes, der in der äußeren Welt symbolisch seine Ausdrucksformen findet. Jeder Mensch hat mittels der Astrologie die Möglichkeit, sich für Lernaufgaben des Lebens zu öffnen um ihnen entgegenzugehen. Auf diese Weise wird die Zeit zum Lehrmeister und damit zum Wachstumselement für den Menschen. - Bevor ich auf die Lernerfahrungen eingehe, die mit Saturn im Tierkreiszeichen Krebs bedeutsam werden, möchte ich die Qualitäten des Urprinzips Saturn in seiner reinen Form noch einmal darlegen. Die Dynamik des Saturn-P rinzipes als Instanz der Ehrlichkeit und der Klarheit fädelt den Menschen stets in einen Reifeprozess hinein. Saturn bringt Bewusstheit in das Leben des Menschen und lenkt dessen Konzentration auf das Wesentliche. - Saturn symbolisiert die Idee der begrenzenden Widerstände, durch Saturn werden die kosmisch geistigen Gesetzmäßigkeiten, in der Schwere von stofflichen Bedingungen erfahren. In diesem Zusammenhang ist es bedeutsam zu hinterfragen, was der stoffliche Urgrund oder die materielle Welt (Hauptbestandteile der Saturn-Analogie) überhaupt zu bewirken vermö gen. In der Schöpfung gleicht die materielle Welt einer Projektionsfläche, auf der geistig-seelische Gesetzmäßigkeiten sichtbar und erfahrbar gemacht werden. Metaphorisch gesprochen ist dies vergleichba r mit einer riesigen Kinoleinwand, auf welche die Bilder eines Films projiziert werden. Diese werden im realen Kino vom Projektor in den Raum gestrahlt und erst auf der Projektionsflä che sichtbar. Auf der Strecke zwischen Projektor und Leinwand sind die in den Raum hinein projizierten Bilder nicht zu sehen. Staubpartikel oder Rauch lassen ahnen, dass der Raum lichtdurchflutet ist. Erst am Widerstand (Leinwand) wird das Licht sichtbar! In physikalischen Versuchen lässt sich nachweisen, daß Licht an sich, wie es sich im kosmischen Urraum befindet, keine Farbe hat. Es ist ohne Reflexionsfläche nicht sichtbar und unterliegt auch keinem Farbspezifikum. Erst durch auftretende Projektionsflächen erhä lt es seine Sichtbarkeit, denn die beschienenen Weltraumkörper fang en es auf und beginnen reflektierend zu erstrahlen. Wenn man die Eigenschaft des Lichtes analog zum Bewusstsein des Menschen setzt, dann gleicht die Dynamik des menschlichen Bewusstseins ebenfalls einer Energie die erst eine Reflektion erhä lt, wenn sie im Leben auf Grenzen, also auf Projektionsflächen und damit auf Widerstand trifft. Das menschliche Bewusstsein ruht dumpf und unreflektiert in sich, solange fehlende Widerstände keine Reflexion entfachen oder die Trägheit ü berwiegt und die Selbstreflektion ausbleibt. - Macht man sich diese Konsequenz einmal für das eigene Leben ganz bewusst, lässt sich erkennen, dass man durch Grenzen und Einschränkungen stets entsprechende Möglichkeiten zur Reflexion gereicht bekommt. Die einschrä nkenden Lebensbereiche beginnen im Menschen etwas sichtbar zu machen, was nur über diesen Weg zu erreichen ist. Viele Menschen akzeptieren den korrigierenden Aspekt von Begrenzungen nicht und versuchen immer und immer wieder, gegen die Widerstä nde anzugehen, was oftmals zu Enttäuschungen und Frustrationen führt. Dabei will ihnen das Leben nicht die Freude daran vergä llen, sondern lediglich eine Selbsthinterfragung anregen.

Nimmt man jene Hinterfragung an, hat man sich dem Zweck und dem Wesen der Erfahrung im Keim angenähert - die Botschaft ist angekommen. Auch hier verhält es sich ähnlich wie im Bereich der menschlichen Kommunikation. Ist man bereitwillig den Meinungen oder Anregungen anderer Menschen gegenüber offen, werden die Dialoge, die man führt, einen konstruktiven Charakter haben. Verschließt man sich jedoch den anderen und geht in die Ablehnung, wird es Konflikte, Ausgrenzungen und letztlich Stagnation im Leben geben. - Saturn als Gesetzmäßigkeit des Lebens ist also immer die Projektionsfläche des eigenen So-Seins. Es ist stets der Mensch, der mit sich selbst konfrontiert wird, niemals ist ein Prinzip fü r Geschehnisse verantwortlich zu machen, wie das leider oftmals im weiten Feld astrologischer Definitionen unsauber deklariert wird. Leider werden dort kausale Zusammenhänge hergeste llt, die dann lauten: Weil der Saturn diese oder jene Thematik in meinem Grundmuster berührt, muss ich Entsprechendes erfahren. Dies ist aber falsch, denn durch die saturnale Erfahrung wird lediglich etwas sichtbar gemacht. Dies kö nnen unbewusste Persönlichkeitsaspekte, Eigenschaften sein, die korrigiert werden wollen. Hinter Saturn verbirgt sich das Gesetz das Wachstums über die Grenzen der Subjektivität. Der Mensch erhält ü ber Saturn eine bewusste Fokussierung in seinem Leben, die er aus seinem eigenen Anspruch nicht kennt. Denn in vielen Dingen gleicht sein Verhalten dem eines Kindes, das gerne alles tun möchte, was ihm gefä llt. Dies wird aber von der Erwachsenenwelt nicht geduldet. Auch im Bereich der Erziehung zeigt man dem Kind Grenzen auf, die nötig sind, damit es im späteren Verlauf seines Lebens keinen Schaden nimmt. In ähnlicher Form verhä lt es sich mit dem Saturnprinzip in Bezug auf das menschliche Leben. Durch dieses Prinzip werden Grenzen aufgezeigt, deren Notwendigkeit häufig nicht erkannt wird, die aber den Menschen vor mö glichem Schaden bewahren. Denn er ist genauso wenig wie ein Kind bereit, die gesetzten Grenzen zu akzeptieren. Unter diesem Gesichtspunkt wird verständlich, dass es bedeutsam für jeden Menschen ist, sich mit den kosmischen Ge setzen des Lebens und insbesondere mit der Verantwortung ihnen gegenü ber auseinander zu setzen. Dies ist auch das Thema, das mit Saturn im Tierkreiszeichen Krebs aktiviert wird. Krebs entspricht dem Seelenprinzip, welches das archetypisch weibliche, berührbare Element reprä sentiert. Es ist ein sehr subjektives Zeichen, das einen Bezug zu den Quellen der Gefühle hat und dem die unbewussten Aspekte der Psyche zugeordnet werden. Saturn hingegen ist die Eintrittspforte in das übergeordnete Gesetz. Auf dem Weg b ezeichnet man die durch Saturn repräsentierte Station als "Hüter der Schwelle". Vor ihm wird der Mensch mit der verzerrten Fratze seiner noch nicht bewältigten Persö nlichkeitsanteile konfrontiert. Das Saturnprinzip im Verbund mit dem Tierkreiszeichen Krebs lässt die kleinen, subjektiven, sprudelnden Wasser der Gefühle zu Eis gefrieren. Damit findet unter dieser Urprinzipienverbindung eine Einschrä nkung und eine Begrenzung des Subjektiven zugunsten des Objektiven statt. Saturn repräsentiert das höhere Gesetz, vor dem das kleine Individuum dahin schmilzt.

Mit Saturn im Zeichen Krebs werden die subjektiven, menschlichen Bedü rfnisse reduziert bis auf den Keim der geringsten Notwendigkeit. Dies gleicht einem intensiven Bewusstwerdungsakt, denn Saturn als der große Edelsteinschleifer setzt immer genau an den Stellen ein, an denen der Mensch in seinem Leben zu subjektiv agiert. - So langsam beginnen sich die Themen der kommenden Zeit auch schon zu formieren. Denn die Gemeinschaft wird gerade genau an den Punkt gefü hrt, an dem sie erkennen kann, dass sie mit dem Sozialwesen, dem Staat, Raubbau getrieben hat. Das wird sich in der Verschärfung von hinterfragenden Maßnahmen offenbaren, die jedem Einzelnen zeigen werden, wo es für ihn bedeusam ist, sich gegen über dem Kollektiv zu verantworten. Dies kann auch seinen Ausdruck darin finden, dass der Staat in seinem Gesamtgefüge eine gewisse Dominanz entwickeln wird, der sich jeder Einzelne ausgeliefert sieht. Menschliche Grundfreiheiten werden ihre Einschr änkung erfahren, wie sie ja schon auch im Land der "unbegrenzten Möglichkeiten" (was vor dem Hintergrund der Erfahrungen der letzten Monate schon fast zynisch klingt) unter dem zü nftigen Schaftstiefel-Motto "patriot act", propagiert wurden. Hier werden Bürger auf staatliches Geheiß zum Denunzieren von Menschen aufgerufen die nicht die reaktionäre politische Meinung der Regierung teilen. Fü r nicht konforme Menschen bringt das auch schon berufliche Nachteile. So werden beispielsweise in Bibliotheken Kontrollen der ausgeliehenen Bücher durchgeführt und verdächtige Leser bei Kartenzahlungen mittels der zurü ckbleibenden Datenspur an die CIA (amerik. Auflage der Stasi) gemeldet. Alle Flugdaten der Passagiere werden im Pentagon im Zentralcomputer gespeichert. Es wird registriert, auf w elchen Webseiten gesurft wird. Man kann sagen der gesamte Datenschutz ist dahin, natürlich nur unter dem verständlichen Motto "wir müssen uns sichern und kämpfen für den Frieden". In ähnlicher Weise wird es wohl bald eine europä ische Version geben, wie immer sie kausal motiviert wird. Es wird schon fleißig daran gearbeitet und man darf gespannt sein auf die Kreativität und den Erfindungsreichtum der europäischen "Interessenvertreter". - Sicher bleibt man in der Kausalität stecken, wenn man über mögliche Manifestationen nachdenkt. Wesentlich in diesem Zusammenhang ist deshalb die Frage, weshalb es zu einer möglichen Einschränkung der persö nlichen Freiheiten kommt. Hier ist die Wurzel vielmehr in geistigen Gesetzmäßigkeiten zu finden. Denn das Gros der Menschen lebt ihr Leben, unreflektiert, ohne ausgeprägtes Verantwortungsbewußtsein fü r die eigenen Handlungen. Jeder Mensch hat mit der Geburt einen "Mensch-Seins-Auftrag" erhalten, der da lautet, sich zu vergeistigen und nach dem eigenen inneren Gesetz der Geburt zu suchen, um sich ihm gegenü ber zu verantworten. Dies geschieht nur bei einem kleinen Prozentsatz der Menschen. Bei den anderen liegt ein Bewusstsein vor, alles machen zu können, alles in Anspruch nehmen zu können, ohne dadurch in bestimmte Konsequenzen verstrickt zu sein. Dies mag unter kausalen Gesichtspunkten auf den ersten Blick auch so anmuten. Doch ist der Mensch mit dem, was er ausführt, wie er handelt, in direkter Weise verbunden, und spätere Verlä ufe oder erwachsende Konsequenzen sind als Antworten zu verstehen, die vom Leben an das jeweilige Individuum ergehen. Saturn im Zeichen Krebs will in der kommenden Zeit das Unbewusste des Menschen ein Stü ck durchlichten. In diesem Zeitraum geht es um das Gesetz der Seele und um die Erkenntnis, wie weit die Seelenkräfte, also die inneren Kräfte, ihren gestalterischen Ausdruck in der äuß eren Welt erfahren. In diesem Zusammhang ist jeder einzelne dazu aufgefordert, eine größere Bewusstheit über sich zu erlangen und darüber hinaus auch Verantwortung für das Erlebte zu übernehmen.

Das läßt sich dadurch bewerkstelligen, dass der Mensch beginnt, vermehrt seine inneren Zusammenhänge zu ergründen. Zum einen durch bewusste Seelenarbeit, zum anderen durch erhöhte Selbstreflexion. Der kindliche Umgang mit sich und dem Leben, in dem Glauben, alles auf Biegen und Brechen haben und erreichen zu wollen, wird in dieser Zeitqualit t in ein geduldiges Warten hinein verwandelt - auf dass der Mensch lernt, in seinem Inneren einen Ruhepol einzunehmen um frei zu werden, von der Erwartung, dass äußere Erfordernisse zu einem Glückseligkeitszustand führen. In seiner äuß eren Ausformung wird dies zu einem verstärktem Rückzugsbedürfnis im Kollektiv führen. Die Stimmung wird sich dahin gehend verwandeln, dass sich viele Menschen - möglicherweise aus Angst vor materieller Unsicherheit - immer mehr von ihren Gefühlen distanzieren und sich, egal wie es in ihrem Inneren ausschaut, an die Erfordernisse des Außens anpassen. Die Menschen können dabei in einer gefühlsmäß igen Scheinneutralität erstarren, wobei die Familie, die Seelenverwandten, wieder einen größeren Stellenwert einnehmen werden, weil man es sich im Außen nicht mehr leisten kann, authentisch zu sein. Dies mag sicher auch zu seelischen Dramen führen, da sich in einem solchen Klima im Inneren ein erhöhter Druck anstauen wird, der einer gespannten kollektiven Depression gleichkommt, denn in der unerlösten Form drückt Saturn im Tierkreiszeichen Krebs auf die Seele. Dies kann ganz unabh ängig von der wirtschaftlichen Realität geschehen, denn nach dem Zeitabschnitt von Saturn in den Zwillingen, ist es mö glich, dass sich die wirtschaftliche Lage wieder entspannt. Intensiver wird jedoch der Vertrauensbruch in den Seelen nachwirken, denn der Mensch musste in der vergangenen Zeit im vermehrten Maß e erfahren, dass er von den verantwortlichen Instanzen, wie z.B. den Politikern, hintergangen und betrogen wurde, nach dem Motto "jeder ist sich selbst der Nächste" (z. B. Euro-Lüge, Versorgungslügen, Versicherungslügen, Wahllügen, Lü gen über die Motivation von Kriegen etc.). Der gesellschaftliche Schock und die Erstarrung liegen vielmehr in dem Vertrauensbruch, der in vielen gesellschaftlichen Bereichen vonstatten ging. Keiner kann keinem mehr trauen, ü berall lauert Intrige und Feindseligkeit, in den Plenarsä len wie in den Kantinen. Dem Kollektiv geht es nun wie Kindern, die den Glauben an den Nikolaus oder das Christkind verloren haben. Gleichzeitig scheint es keine Alternative zu geben, so dass man sich erst einmal in einer Schreckstarre befindet. Wichti g ist in diesem Zusammenhang auch, die Verantwortung für das Erlebte, zu übernehmen. In einer alten fernöstlichen Weisheit heißt es beispielsweise: "Ein unlauteres Volk, wird von unehrlichen Führen gelenkt." Anders gesagt: In den Kö pfen eines Staates und deren Verhalten spiegeln sich die unbewussten Intentionen einer Gemeinschaft wider. Was z. B. der unlautere Präsident eines Staates für sich mit einem kriegerischen Raubzug in Anspruch nimmt, fü hrt der kleine Angestellte dadurch aus, dass er auf Kosten sein er Firma telefoniert, Briefe versendet, Schreibmaterialien mit nach Hause nimmt und seine Fahrkosten- und Spesenabrechnung manipuliert. Das sind alles Ausformungen der gleichen Intention, nur mit unterschiedlichen äuß eren Manifestationen. Es geht also nicht um Verurteilung, sondern vielmehr um die Frage: Warum müssen wir bestimmte Dinge im Aussen erfahren? Welche Verantwortung hat jeder Einzelne in seinem Verhalten gegenüber den Verhältnissen im Auß en, da diese im verzerrten Spiegel der Selbsterkenntnis den Menschen zur Reflexion über sich selbst bewegen möchte.

Der Mythos von Kronos/Saturn lässt in seinem zweiten Teil symbolisch deutlich werden, um welche inhaltliche Erfahrung es bei Saturn im Zeichen Krebs geht. Dabei sollte man jeden Mythos als etwas Zeitloses betrachten mit ewig w ährender Gültigkeit, der eine innere Gesetzmäßigkeit beschreibt, die archetypisch in jedem Menschen stattfindet. Bestandteile und mythische Gestalten sollten in dem Zusammenhang als die verschiedenen Anteile der Urprinzipien ges ehen werden, die sowohl in der Schöpfung als auch im Menschen ihre Existenz besitzen. Denn Mensch und Schöpfung sind eins, auch wenn wir sie in unserem Bewusstsein nur getrennt auswerten können. Der Mythos führt im zweiten Teil an die Stelle, als Kronos/Saturn in das Land Latium einzieht. Dort lehrt er dem Kö nig Janus Recht und Ordnung und wie er seine Felder zu bestellen hat. Nach einer gewissen Zeit wachsen der Gott Kronos und der König Janus zu einer Person zusammen, woraus ihnen zwei Gesichter erwachsen. Das eine blickt zurü ck in die Vergangenheit und das andere nach vorne in die Zukunft. - Dieser Teil des Mythos um Kronos beschreibt, dass wenn eine Gottheit mit einem König in Interaktion tritt und ihn belehrt, dies stets eine Verwandlung des Egos symbolisiert. Denn der Weltenkö nig im Mythos ist immer gleichzusetzen mit dem menschlichen Ego, das sich in seinem Leben zum Herrscher über den Verlauf der Dinge aufschwingt. Kronos lehrt also im Mythos das menschliche Ego, sich in das Gesetz und die Ordnung der Existenz einzufü gen und seine Felder zu bestellen. Das bedeutet, dass unter der Maßgabe des Saturnprinzips der Mensch im Leben lernt, sich zu verantworten und er sowohl aus dieser Verantwortung als auch aus der Erkenntnis höherer Gesetze sein Leben gestal tet. Er erkennt an, dass alles, was er in seinem Leben ausführt, zu entsprechenden Konsequenzen führt. Hat er die Gesetze des Kosmos und des eigenen Lebens ergrü ndet, dann wird der Mensch eins mit dem Prinzip. Er unterstellt sich der vom Prinzip repräsentierten Gesetzmäßigkeit und wird dadurch wahrhaftig frei. Dies ist die einzige und hö chste Freiheit, die man zu erlangen vermag. Denn alle erkauften oder erzwungenen \ldblquote kleinen Freiheiten
dblquote des menschlichen Egos sind nur Scheingebilde, die sich in den Verläufen des Lebens sehr bald ad absurdum fü hren. Die Freiheit beginnt dort, wo der Mensch lernt, seine Gebundenheit an Gesetzmäßigkeiten zu akzeptieren. Denn handelt der Mensch aus den Gesetzmäßigkeiten des eigenen Musters heraus, dann erfährt er bezogen auf die zu erfü llenden Themen keine Widerstände mehr. Er hat die Inhalte schon vorher berücksichtigt und in seinem Inneren bewegt und sich damit mit ihnen in Verbindung gebracht. Im Mythos wird diese Gesetzmäßigkeit durch die zweigesichtige \ldblquote Janusköpfigkeit
dblquote dargestellt. Die Rü ckschau des einen Gesichtes gleicht einer Reflexion, entstanden aus den gemachten Erfahrungen, und das vorausschauende Gesicht handelt zielgerichtet und umsichtig auf der Basis von gewachsenen Erkenntnissen. Das Ego hat sich den kosmischen Gesetzmäß igkeiten geöffnet und ist eins mit ihnen geworden. Im Verbund mit dem Saturnprinzip geht es gleichfalls um Erkenntnis und Hinterfragung. Der Mensch gerät immer dann in Konflikte, wenn er seine Gesetze ü bertreten hat und erlebt dies durch die Schicksalsinstanz, die ihn wieder zurück korrigiert. Ebenso verhält es sich mit weltlichen Gesetzen. Wenn der Mensch sie nicht akzeptiert, gerä t er auch mit dem Gesetz in Konflikt. Nimmt man sie als Analogie für universelle Gesetzmäßigkeiten, ist das Saturnprinzip nicht der Verursacher des Leides, sondern der Mensch selber, weil er bestehende Grenzen ü berschritten hat. Kennt er die notwendigen Inhalte, so vermag er Korrekturen in seinem Leben vorzunehmen und ihm wird eine einende Erfahrung zuteil, wie im Mythos der König Janus mit Kronos eins wurde.

Saturn im Zeichen Krebs möchte also in der Kühle des Außens und in der fehlenden Geborgenheit des Lebens helfen, dass der Mensch sich der eigenen Abgeschlossenheit und des egoistischen Selbstbezuges bewusst wird. Jede erlebte Härtesituation tritt mit dem Sinn an die Menschen heran, die Gefühlsebene von der Subjektivität zur Objektivität zu erheben. Das Finden des eigenen Erwachsenenstatus ist die Lösung aus der Gefangenheit in den immer wiederkehrenden Härtesituationen. Aus einer selbstverantwortlichen Haltung heraus wird es möglich sein, die eigene verborgene subjektive Seelenrealität in den Erlebensbereichen des Außens wiederzuentdecken. Diesen Fakt gilt es zu verinnerlichen, denn erst wenn man versteht, dass man nicht Opfer äußerer Umstände ist, sondern dass das Außen lediglich die verdeckten unbewussten Bereiche der Psyche hervorbringt, kehrt in den betroffenen Themenbereichen eine Normalität ein. Wenn man den eigentlichen Wesenskern erkennt und die Außenwelt nicht mehr gezwungen ist, diesen Teil ü ber das Schicksal zu vermitteln, wachsen neue Potentiale heran. Um der anstehenden Lernerfahrung entgegen zu gehen können Sie sich reflektiv in den kommenden zwei Jahren folgende Fragen stellen:

Wie viele subjektive Belange sind in mir vorhanden? Welche Persönlichkeitsanteile von mir besitzen eine zu große Subjektivität und verantworten sich nicht gegenüber den Erfordernissen der Gemeinschaft? Wo nutze ich Bedingungen für mich aus? Wo nehme ich für mich rücksichtslos Freiheiten in Anspruch? Wo widme ich mich den Bedürfnissen anderer? Bin ich bereit, Opfer für das Wohlergehen bedürftiger Menschen zu bringen? Lenke ich mich durch Scheinaktivitäten von meinem Inneren ab? Leiste ich genügend Seelenarbeit, die mich mit Bewusstheit erfüllt? Höre ich auf meine innere Stimme?

Ihr Randolf M. Schäfer
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