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Forum für hermetische Kunst und Kultur & Astrosophische Praxis
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Aktueller Artikel
Es ist Randolf M. Schäfer seit langem ein Anliegen das hermetische Urprinzipienwissen wieder ins Bewusstsein der Menschen zu bringen. Er hat das System der Astrosophischen Symbolkunde begründet und in verschiedenen Buchveröffentlichungen dargelegt. Über zwölf Jahre war er der Herausgeber der Zeitschrift "Einblick".
Randolf Schäfer leitet am eigenen Institut Ausbildungen zum beratenden Astrosophen und gestaltet spezielle Seminare für Ärzte, Heilpraktiker und Therapeuten in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Seit 23 Jahren berät er in seiner Astrosophischen Praxis in Frankfurt am Main und ist als Autor und Referent auf internationalen Kongressen tätig.
Seine Fähigkeit, aus der Symbolik eines individuellen Lebensverlaufes auf die darin verborgene Botschaft der Seelenkräfte schließen zu können, wendet er erfolgreich in Besprechungen zur Persönlichkeitsentfaltung an.
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Unser Leben als Stufenleiter zu neuen Entfaltungsebenen – Teil 3
Liebe Leserinnen, liebe Leser,
Im Zeitalter von Antiaging drängt sich die Frage auf, was denn im Verlauf des Alterungsprozesses im Bewusstsein des Menschen geschieht? Was fängt der gesundheitlich gestählte ältere Mensch mit seinem Leben an? Nutzt er die gewonnene Lebenszeit sinnvoll, in dem er sich geistig entwickelt und ein Wanderer in seinen inneren Welten wird. Oder nehmen nur sinnlose Beschäftigungen und Zeitvertreib zu, so dass der ältere Mensch lediglich ein Konsum antreibender Wirtschaftsfaktor ist.
In früheren Kulturen trugen ältere Menschen maßgeblich dazu bei, die nachfolgenden Generationen mit den Gesetzmäßigkeiten des Lebens vertraut zu machen. Das Alter zählt heute nicht mehr, weil das erklärte Ziel des Kollektivs die ewige Jugend geworden ist und somit ältere Menschen eine gesellschaftliche Ausgrenzung erfahren. Altern ist für viele Menschen gleichzusetzen mit dem Nachlassen der Sinne, des Intellektes und der Fähigkeit, am aktuellen Geschehen teilzuhaben. Dies muss nicht sein, denn eigentlich sind die Ausfallserscheinungen am Menschen nur dann zu beobachten, wenn sein Leben weder Sinn noch Ziel hat. Wendet er sich hingegen geistig philosophischen Inhalten zu und fügt er seinem äußeren Leben ein inneres hinzu, entspricht er seinem eigentlichen Menschseinsauftrag, so dass die Ausfälle ihn nicht in der Erleidensform ruhig stellen müssen, um ihn mit seinem inneren Leben zu verbinden.
Fehlt dieses Wissen, sowie die wirklichen Schlüssel für ein verständnisvolles Altern, dann geht eine ewig junge Gesellschaft zielstrebig in ihre Altersdepression und in die darauf folgende spätere Senilität hinein.
In den letzten beiden Monaten habe ich die sieben Lebensphasen beschrieben, die sich von der Geburt bis zum 49. Lebensjahr erstrecken. In diesem Beitrag folgen die Zeiträume die man zur Herbst-Winterzeit des Lebens zählen kann. Diese Lebensphasen bieten die Chance, zu einer Art Krönung des individuellen Lebens beizutragen, wenn sich der Mensch zum Geiste wendet. Das Altern hat nur auf der körperlichen Ebene seine Auswirkung. Da der Geist ewig jung ist und nicht altert, vermag der Mensch mittels dieses ewig jungen Anteils in sich, eine hohe Bewusstheit zu erreichen die ihn bereichert und die in ihm ein nicht kausales Glücksgefühl entstehen lässt.
Auf einer solchen Basis vermag auch das hohe Alter wieder seinen Stellenwert in der Gesellschaft einzunehmen, wie es diesen in vielen Kulturen vor unserer eingenommen hatte, nämlich dass die Alten den Jungen mit ihrer Weisheit zur Seite standen und ihnen halfen, die Krisen ihres Lebens zu bewältigen.
Es wäre wünschenswert, wenn sich in naher Zukunft Alter und Jugend wieder verbänden. Der Materialismus hat auch in seiner gegenwärtigen Ausformung dazu beigetragen, dass der Mensch lediglich zum Material seiner Konsumbefriedigung geworden ist. Das Mensch-Sein ist auf den Zustand des Verbrauchers reduziert worden, der gleich wie in der Massentierhaltung gierig das frisst, was das Fließband ihm zuführt - am Ende sich selber. In einer solchen äußerlichen Ausrichtung ist es nicht verwunderlich, wenn am Ende eines Verbraucherlebens, der Verbrauchte ausgemustert wird - zum unwerten Produkt wird, weil der Blick nur auf die Äußerlichkeit gerichtet ist.
Die nachfolgenden Stationen lassen deutlich werden, welcher Teil in der letzten Phase des Lebens entwickelt werden möchte, damit das Ende des Lebens zu einer echten Krönung werden kann.
Der 8. Lebensabschnitt:
49. - 56. Lebensjahr
Dieser Zeitraum hat seine analoge Entsprechung zu der zweiten Phase des Lebens in der ersten Lebenshälfte. In dieser Zeit kommt der Mensch in die Wechseljahre und verspürt immer stärker, dass mit dem Schwinden seiner sexuellen Energie auch seine Lebenskraft nachlässt. Die ersten Krankheiten von nachhaltiger Natur melden sich und mahnen, an die abnehmende Lebenskraft und die dahinschwindende Zeit zu denken. Der Körper wird auch hier zum Instrument, um zu erreichen, dass der Mensch sich einem inneren Geistleben zuwenden sollte. Er durchläuft melancholische Stimmungen, in denen er das nahende Alter und die Vergänglichkeit realisiert. Sehr oft flammt in dieser Zeit der Geschlechtstrieb nochmals besonders auf, wobei sich der Mensch überwältigt und zerrissen fühlt von der Diskrepanz, dass einerseits die Fruchtbarkeit und die Zeugungsfähigkeit erlischt, beim Mann ist es das Nachlassen seiner Potenz, andererseits ist er vom Trieb gepackt, und der verlangt nach Erfüllung.
Auch spürt man durch die Resonanz des Umfeldes, dass die körperliche Attraktivität nachlässt. Oftmals kommt es dabei zur Hinwendung an jüngere Partner, bei denen die Sexualkraft noch mit Leben durchpulst ist. Dies mündet aber häufig in schmerzhaften Erfahrungen, da das Verlangen aus einer geistigen Dimension erfolgt und in der Begegnung mit dem authentischen Leben die Idee an der Wirklichkeit zerbricht. Jeder sexuelle Impuls und Akt des Menschen trägt etwas zutiefst Schöpferisches in sich.
Mit ihm werden Leben und Manifestation geschaffen und weiter getragen, solange die Anlage dazu besteht. Zeugen und empfangen, das bedeutet, Leben weiterzugeben, aber auch, die Welt zu erhalten, indem man mit Nachkommenschaft für ihren äußeren Fortbestand sorgt. Doch die Zeit, die Welt mit Nachkommenschaft zu beglücken, klingt aus. Es heißt Abschied zu nehmen von den äußeren Schöpfungen, um den eigenen seelischen Innenraum tiefer zu erforschen. Mit der Rückentwicklung der aktiven Zeugungsfähigkeit wird die Sexualkraft auf eine andere Ebene gehoben. Die symbolische Betrachtung der biologischen Veränderung lässt deutlich werden, dass es nun nicht mehr darum geht, den Bestand des Lebens durch Nachkommenschaft zu sichern, sondern die sexuelle Energie in eine geistige zu verwandeln. Was sich auf der körperlichen Ebene als eine Sammlung der Kräfte manifestiert, die sich nach innen zurückziehen, vermag der Mensch in diesem Zeitabschnitt besonders durch aktive Unterstützung zu fördern. Denn es geht ja darum zu begreifen, dass er der bisherigen Form des Umgangs mit der Sexualität eine andere hinzufügt.
Hält er an seinen Erfahrungen fest und versucht sich auf dem Gebiet der Sexualität weiterhin in gleicher Weise zu verwirklichen, dann legt er damit den Grundstock für leidvolle innere Ablöseprozesse.
Dies bedeutet nicht, dass der Mensch ab diesem Zeitpunkt keine Sexualität mehr leben sollte, sondern dass er dem bisherigen Umgang mit der Sexualität andere Einlösungsformen hinzufügen sollte, und zwar in ganz bewusster und entschiedener Form. Die in den verschiedenen Kulturbereichen vorhandenen Entwicklungspraktiken zeigen dem Menschen auf, wie er mit Meditation, Atemübungen und Intonationen gezielt die sexuelle Energie von den unteren Energiezentren in die oberen führt und so sexuelle Kraft in schöpferisch-geistige verwandeln kann, wie es auch beispielsweise im Tantrismus der Fall ist. Ein besonderes Element der tantrischen Sexualpraktiken ist, dass sie nicht vordergründig Orgasmus fixiert sind, um die kostbare Energie nicht zu verschwenden, da sie zurückgehalten, sich in ekstatische Zustände verwandeln lässt, die einen äußerst belebenden Charakter haben. Wird in diesem Alter die Sexualenergie zurückgehalten, dann belebt sie den Geist - wird sie verschwenderisch ausgegeben wird der Geist allmählich dumpf. In diesem Zeitraum ist eine solche Transformation angebracht. Hier wird etwas lebbar, was in zu frühen Stadien des Lebens zu Neurosen und verqueren Verhaltensweisen führt.
Die Veränderungen in diesem Zeitraum lassen lediglich ein mögliches Erfordernis sichtbar werden. Das bedeutet aber nicht, dass der Mensch auch ganz selbstverständlich bereit ist, dies einzulösen. Das Verständnis um den sich einstellenden Wandel ist in der heutigen Zeit verloren gegangen. Der Mensch sollte erkennen, dass zu jeder Zeit seines Lebens die Möglichkeit besteht, sich in den Strom des zeitlichen Erfordernisses hineinzubewegen. Stellt man sich darauf ein, entwickelt sich eine Dynamik, die den Menschen mit dem Zeitgeschehen wachsen lässt.
Natürlich ist dies stets mit inneren Kämpfen verbunden, denn gerade mit der Veränderung der Sexualkräfte verstärkt sich der Trieb nochmals besonders. Euphorie und Trauer begleiten diese Erfahrungen, weil dies bedeutet, sich abzulösen und Abschied zu nehmen von bedeutsamen körperlichen Erlebnissen, um sich verstärkt der inneren Kreativität zuzuwenden. Dies sollte man auch ganz bewusst zelebrieren in dem man die Ablösetrauer intensiv lebt um ganz gezielt mit einem Ritual den alten Zustand abzuschließen, um das neue Lebensfeld zu betreten. Solche Rituale können sehr hilfreich sein. Werden sie nicht bewusst ausgeführt, dann schleppt man die Stimmung latent schleichend mit sich herum und gelangt nicht befreit in den neuen Lebensraum.
In dem 2. Abschnitt der ersten Lebenshälfte, in der Zeit vom 7. bis 14. Lebensjahr, wurde man eingeschult und in der Folgezeit erlernte man die Grundlagen, die es möglich machen, sich im äußeren Leben zurechtzufinden. Angekommen in der 2. Phase der 2. Lebenshälfte, besteht nun in gleicher Weise die Notwendigkeit, sich mit den Grundzusammenhängen eines geistigen Lebens auseinanderzusetzen.
Auch diese Zeit hat sehr viel mit der Entwicklung eines Wertes zu tun, vergleichbar wie es auch in dem zweiten Abschnitt der 1. Lebenshälfte bereits der Fall war, jedoch ist dieser Wert nun auf der inneren Ebene zu finden.
So wie in der Zeit vom 7. bis 14. Lebensjahr noch nicht der volle Ernst des Lebens begonnen hat, ist es auch in dieser Phase vom 49. bis zum 56. Lebensjahr mit der Hinwendung zu den geistigen Themeninhalten zu verstehen.
Erste geistige Erfahrungen durch philosophische Studien, meditative Praktiken und Körperübungen können gesammelt werden und finden eine gute Integration im aktuellen Verlauf des Lebens. Wer seine Energie in diese Richtung lenkt braucht sich nicht vor dem Alterungsprozess zu fürchten. Die negativen “Vorbilder” des Alterns sind meist Ausdrucksformen von Lebensverläufen, die nie in geistigen Inhalten gewurzelt haben, sondern in der reinen Außenorientierung aktiv waren. Wer schon einmal mit Menschen zusammengekommen ist, die bis ins hohe Alter einen geistigen Weg gegangen sind, wird feststellen, dass diese Menschen angefüllt sind mit Lebensweisheit und das sie meist keine nennenswerten körperlichen Gebrechen haben. Denn Krankheit wirkt ja gerade im Alter als Umpolungselement, wenn die geistige Basis fehlt. Die Seele schaltet mittels des Körpers, die Veräußerlichungsmöglichkeiten immer weiter herunter. Diese Korrektur muss aber nicht sein, wenn der Mensch zeitgerecht das ausführt, was in seiner Lebensphase zum Zentrum der Ausrichtung gemacht werden will. Weiß man um diese Dynamik, dann erhält das Leben in seiner Gesamtheit eine optimistische Perspektive und wer einmal die belebende Kraft des Geistes erfahren hat, möchte solche Elemente in seinem Leben nicht mehr missen.
Der 9. Lebensabschnitt:
56. - 63. Lebensjahr
Die unruhige Zeit der Wechseljahre beginnt langsam auszuklingen, und der Mensch macht im Anschluss an diese aufwühlende Phase die wunderbare Erfahrung einer aufsteigenden Ruhe und Gelassenheit nach der großen Anspannung. Auch ist in dieser Zeit die natürliche Zeugungs- und Geschlechtskraft weitaus am geringsten. Die merklich schwächer gewordene Lebenskraft löst gleichzeitig beim alternden Menschen die Bindung an irdische und materielle Güter auf. Dabei verliert er nun das Interesse an seinem Beruf sowie die Lust, an dem täglichen Überlebenskampf auf dem Schlachtfeld des Broterwerbs weiter teilzunehmen. Man beginnt über den herannahenden Ruhestand nachzudenken, oder manch einer beschleunigt den Ruhestand durch einen verfrühten Ausstieg.
Im Menschen reift eine tiefe geistige Ruhe heran, die ihm ein unbekanntes Neuland in seinem Inneren eröffnet. Gleichzeitig erschließen sich ihm in dieser Lebensphase erstaunliche neue Erfahrungen:
Je mehr er noch in der Verhaftung am Stoff gefangen ist, desto mehr macht ihn die sinnlose Außenausrichtung zu einem lebendigen Toten. In Momenten der Stille beginnt er die Sinnhaftigkeit seiner äußeren Aktionen zu hinterfragen, und viele seiner früheren Einstellungen und Handlungen erscheinen ihm lächerlich und geradezu unverständlich. Findet er in dieser Zeit keine neuen Inhalte, erfasst ihn oft eine bleischwere Depression, die ihn entweder voran zu neuen Inhalten treibt oder ihn in mechanischem Ablenkungsverhalten rotieren lässt. Je mehr diese Ziele nach außen gerichtet sind, desto mehr erkrankt der Mensch an der Wunde der Sinnlosigkeit. Körperlich ist er zwar aktiv, doch gleicht sein innerer Zustand einem abgestorbenen Ödland. Oft taucht die Frage auf: Was fange ich mit meiner Restzeit an? Selbst der dann oftmals Zeit vertreibende Innenausbau des Häuschens oder die Renovierung der Wohnung sind nur sehnsüchtige Ausdrucksformen sich dem seelischen Innenraum zuzuwenden, um dort neu zu werden. Der Weg in den Heimwerkermarkt entpuppt sich als ein Holzweg und als eine kurze Beschäftigungstherapie. So treibt viele Menschen in dieser Phase eine innere Leere zu weiteren Zielen an, sie ist der Motor für ihre Sinnsuche, der erst verstummt, wenn sie ihr Augenmerk nach innen richten, dorthin, wo die Antworten auf Fragen warten, die sich an den Menschen als ein geistiges Wesen richten. Insbesondere ruft diese Phase zum Kontakt mit dem inneren Menschen auf. Es wird bedeutsam auf die Intuition, die innere Stimme zu hören, sich mit Träumen und allem was aus den geistigen Welten als Bilder, Stimmungen und Gefühlen aufsteigt, Beachtung zu schenken - lauter Themenfelder die jenseits der rationalen Außenorientierung liegen. Geschieht dies nicht, dann erfährt der Mensch eine Zunahme von diffusen Stimmungen, wie beispielsweise melancholische Gefühle die im Verbund mit Erinnerungen Raum nehmen und die Betroffenen fühlen sich oftmals von den nicht zurückhaltbaren Tränen überwältigt. Auf diese Weise holt sich die Seele die Aufmerksamkeit, die ihr freimütig nicht gegeben wird.
Der 10. Lebensabschnitt:
63. - 70. Lebensjahr
In dieser Lebensphase beginnt für den Menschen der Winter des Lebens. Hat er sich schon in der vorherigen Phase zwischen dem 56. und 63. Lebensjahr aus den bindenden Pflichten des äußeren Lebens gelöst und sich mehr seinem Innenraum angenähert, so beginnt er sich jetzt von materiellen Verhaftungen zu lösen. Bedingt durch die zunehmende Hinfälligkeit seines Körpers kehrt sich der Mensch nach innen und identifiziert sich mit seiner stillen, grübelnden Natur, denn er spürt die seltsame Nähe jener geistigen Welt, die er in der Hochphase seines äußeren Lebens nicht wahrnehmen konnte. Der Schwund der Lebensenergie lässt ihn seinen Körper vermehrt als eine Last empfinden, die besonders während großer körperlicher Aktivitäten wahrnehmbar wird. Der geistige Anteil des Menschen ist alterslos und so kann es sein, dass das was man sich durch Arbeit und Kraftaufwand zumutet oft leichtsinnig die realen Kräfte übersteigt, weil man sich mit einem jugendlichen Gefühl, Dinge aufbürdet die zunehmend zum Erschwernis werden. Er benötigt häufigere Ruhephasen und wendet sich damit analog zum Mysterium der Winterzeit, dessen Bestandteil es ist, dass sich in der Natur die Lebenskräfte zu den Wurzeln zurückziehen, gleichfalls dem inneren Leben zu.
Gemäß der vorhergehenden Entsprechung spürt der Mensch auch in dieser Phase, dass die deutlich werdende zeitliche Begrenzung bewirkt, die Ziele und Einstellungen zu hinterfragen. Es entsteht ein Klarblick, mit dem es ihm gelingt zu unterscheiden, welche Anteile in seinem Leben ein Übergewicht besitzen und in den Hintergrund gestellt werden sollten, da sie durch die Eintrittspforte zu einer geistigen Welt nicht mitgenommen werden können. In diesem Zeitabschnitt wäre es gut die inneren Bindungen an materielle Interessenverwirklichungen abzubauen, da sie auf dem Weg, der aus dem Leben hinausführt, zum Hindernis werden. Je mehr der Mensch sich an ihnen festklammert, desto größer wird der Druck, der ihm seine zeitliche Begrenztheit sichtbar macht.
Vielmehr geht es auch darum, sich mit dem gesammelten Erfahrungsschatz begleitend oder beratend dem Umfeld zur Verfügung zu stellen. Das Lösen von materiellen Zielen bedeutet nicht, sich in den vollkommenen Rückzug zu begeben, um weltfremd zu werden, sondern zu erkennen, dass das Heil in der materiellen Form nicht mehr gefunden werden kann. Man vermag nun mit der gewonnenen Zeit und der möglichen finanziellen Unabhängigkeit sich in anderen Feldern einzubringen, die der persönlichen Neigung entsprechen. Man ist nicht mehr abhängig. Diese Unabhängigkeit ist aber nicht mehr aufreibend, weil man seinen Neigungen nachgeht und Tätigkeiten mit Freude und mit Herzensenergie ausführt.
Das Problem besteht bei vielen Menschen darin, dass sie in Schlusspunkten denken und der Meinung sind, sie müssten nach ihrer Arbeitsphase eine Kehrtwende vollziehen und nun nur noch Ferien und Freizeit leben. Mühe und Ärger gehören stets zum Leben dazu. Wenn man sich zurückzieht, um möglichen Stressmomenten zu entgehen, verlagern sich diese lediglich auf andere Ebenen. Man hat dann plötzlich Gesundheitsstress, muss vielleicht den Partner durch schwere Krankheitsphasen begleiten und erlebt jetzt zynischerweise genau jene Aspekte, denen man glaubte entronnen zu sein. Die Freiheit, die sich im Ruhestand ergibt, liegt in der Freiheit der Wahl von Verwirklichungsinhalten und nicht in einem ewig währenden Urlaubsbewusstsein.
In der archaischen Struktur eines menschlichen Lebens gibt es keine Rente und keinen Ruhestand. Würde der Mensch in der Natur leben, dann müsste er sich auch dem natürlichen Lebenskampf überlassen - denn kein Raubtier würde ihn angesichts seines fortgeschrittenen Alters verschonen - nach dem Motto “Achtung der ist Rentner und darf nicht verspeist werden.” Der Ruhestand des Menschen ist ein rein sozio-/kulturelles Konstrukt, das häufig ins unwürdige Altern hineinführt mit dem Endziel einer Demenz, wenn der Mensch sich zeitlebens nur mit den äußeren funktionalen Dingen beschäftigt. Über die Sinnlosigkeit im Alter hinwegzukommen, hilft auch das beste soziale Unterhaltungsprogramm nicht, wenn das erklärte Ziel ist - “Jeden Tag auf irgend eine Weise beschäftigt hinter sich zu bringen”. Angesichts des sich steigernden Antiaging-Wahns der meist nur auf der biologisch körperlichen Ebene mittels Trainings ausgerichtet ist, werden Demenz und Alzheimererkrankungen sprunghaft ansteigen und die Gesellschaft wird sich mit supertrainierten, hilflosen Persönlichkeiten auseinanderzusetzen haben.
Der 11. Lebensabschnitt:
70. - 77. Lebensjahr
Die Reise des Menschseins neigt sich ab dem siebzigsten Lebensjahr ihrem Ende zu. Erstmals verspürte der Mensch in der Phase von 56 bis 63 Jahren den Überdruss an den weltlichen Pflichten und eine auftretende Lebensmüdigkeit. In der Phase von 63 bis 70 Jahren realisiert er die Materie als Belastung und kehrt aufgrund der zunehmenden äußeren Schwerfälligkeit verstärkt durch besinnliche Stimmungen in seinen Innenraum zurück. Dieser Prozess der inneren Hinwendung nimmt in dem nun folgenden Lebensabschnitt weiter zu. Immer mehr beschäftigt er sich mit den Fragen des Todes und des Jenseits, und immer häufiger lässt er Vergangenes aus seinem Leben in der Vorstellung noch einmal Revue passieren. Freunde und Bekannte gehen aus dem Leben und regen zu dieser Auseinandersetzung durch ihr Sterben an. So vollzieht sich in ihm ein Vorgang, der die Zukunft und die Vergangenheit im Bewusstsein verschmelzen lässt, und das Modell der Zeit beginnt sich aufzulösen.
Viele Menschen erfahren in dieser Lebensphase, wie ihre Sinnesorgane für die Wahrnehmungen der äußeren Welt in ihrer Leistungsfähigkeit merklich nachlassen. Die Sehfähigkeit, die Hörqualität bilden sich zurück, und auch die Geschmacksnerven nehmen nicht mehr alles in der gleichen Intensität wahr wie früher. Das Nachlassen der äußeren Sinnesorgane ist notwendig, da der Mensch sich bislang zu stark auf die großen Täuscher, wie man die fünf Sinne auch nennt, verlassen hat. Gleichzeitig wird er mit dem allmählichen Verschluss seiner "Fenster zur Welt" noch tiefer mit sich selber in Kontakt gebracht. Hat der Mensch bis dahin ein dumpfes Dasein gefristet und sich in keiner Form geistigen Inhalten sowie entsprechenden Praktiken zugewandt, erlebt er in diesem Abschnitt des Lebens nur die Reduktion der Sinne und keinen Zuwachs an innerer Lebendigkeit. Andererseits aber kann ein Mensch, der im Laufe seines Lebens an seiner Vergeistigung gearbeitet hat, in dieser Phase des Lebens höchste metaphysische Wahrnehmungen erlangen. Während der nicht initiierte Mensch den reinen Verlust der Wahrnehmung erfährt, erschließt sich nun dem geistig strebenden eine Öffnung für den Blick in andere Dimensionen. In diesen neuen Welten erfährt er einen immensen Zuwachs an übersinnlichen Fähigkeiten, die sich mit den Worten Hellsichtigkeit, Hellhörigkeit und Hellfühligkeit umschreiben lassen. Nun besteht seine mystische Aufgabe darin, diese Geschenke des Alters weiter zu pflegen, um auf diese Weise die höchstmögliche Stufe des Menschseins zu erlangen. Sind sie dazu bereit, kehrt in ihrem Leben eine relative Ruhe ein, denn sie bewegen sich mit ihrer inneren Ausrichtung auf zwei Ebenen.
Der 12. Lebensabschnitt:
77. - 84. Lebensjahr
Im Leben des Menschen vollzieht sich der "Entwerdungssprozess" ab dieser Phase am allerdeutlichsten. Im vorherigen Siebenjahres-Abschnitt bildeten sich die Sinne der äußeren Wahrnehmung zurück, so dass sich der Blick des Menschen weiter auf seine Innenwelt richtete. In der Phase vom 77. bis zum 84. Lebensjahr zieht sich der Geist langsam aus dem Körper zurück und identifiziert sich nicht mehr mit ihm. Die materielle Hülle des Körpers lässt immer weiter in der Funktionstüchtigkeit nach, und der Mensch verspürt mit der Abwendung von der Körperlichkeit eine größere Lebendigkeit im Inneren. Ältere Menschen gehen in dieser Phase ins Altenheim und verzichten durch die Auflösung ihrer Haushalte auf einen großen Teil des im Leben angesammelten Stoffes. In den meisten Fällen verlagert sich das Erleben in diesem Zeitraum ganz und gar in Reflektionen über bereits durchlebte Lebenssituationen, so dass neue Themen aus dem Umfeld nur durch einen gedämpften nebeligen Filter bis zum Tagesbewusstsein vordringen. Inhaltlich sollte sich der Mensch in dieser Zeit seines Lebens ganz bewusst und angstfrei den Bereichen widmen, die hinter der materiellen Physis liegen.
Die Sphären der astralen und der jenseitigen Welt wollen erforscht werden, da diese immer näher rücken. In diesem hohen Alter heißt es für den Menschen, ähnlich wie er in jungen Jahren Vorsorge für sein Auskommen getroffen hat, die gleiche Vorsorge der geistigen Welt und dem materiellen Löseprozess zukommen zu lassen. Oft öffnen sich die Tore zu anderen Wahrnehmungsdimensionen. Man kommt in Kontakt mit Wesenheiten aus anderen Sphären, was vom Umfeld argwöhnisch registriert wird. Doch solche Erfahrungen sind besonders fruchtbar, wenn man mit ihnen adäquat umzugehen weiß und sie zulässt. Je bewusster man mit sich in den letzten drei Zyklen umgegangen ist, desto wacher und frischer erlebt man diese Phase. Denn geht man freiwillig der bestehenden notwendigen Umkehr nach Innen entgegen, besteht nicht das Erfordernis, durch Leid und körperliche Hinfälligkeit nach Innen gezwungen zu werden. Menschen, die einen Weg gegangen sind, zeichnen sich durch ihre Wachheit und Dynamik aus, weil sie dem Erfordernis ihres Menschwerdungsprozesses entgegen gegangen sind. Sie müssen nicht mehr leidvoll in dieses Erfordernis geführt werden.
Das Sterben will ebenso wie das Leben gelernt sein. Die Verdrängung dieses Themenbereiches, wie sie vielfach in der Gesellschaft stattfindet, mutet fast schon lächerlich an, denn ab einem gewissen Zeitpunkt kann man nicht mehr so tun, als würde der Mensch plötzlich und unverhofft vom Tode überrascht werden. Unbewusstes und nicht vorbereitetes Sterben führt auch nach dem Ableben zu krampfhaften Verhaftungsprozessen an der Materie, weil die Seele nach der Transition kaum realisiert, dass sie bereits verstorben ist, da sich die primären Wahrnehmungen nach dem direkten Ableben nicht sonderlich von denen des Lebens unterscheiden.
Die zweite Hälfte des Lebens, die aus dem Leben hinausführt, will gelernt und sorgfältig erarbeitet werden - genau wie die erste, die in die Materie hineinführt. Dann erwächst dem Menschen eine Kraft, die ihm zuteil wird, weil er nun nicht mehr über Krankheit und das Versagen seiner Kräfte durch das Schicksal in eine Hinterfragung gebracht werden muss. Wer sein Leben in der ersten Phase gemeistert hat, der kann auch in der zweiten Hälfte erfolgreich sein, denn er hat dafür die Voraussetzung geschaffen. Er sollte für die Meisterung der zweiten Hälfte und damit für die Krönung des Lebens vor allem die Trägheit zu überwinden versuchen und seine Bemühungen für absolut sinnvoll und lohnenswert ansehen. Er ist der wahre Realist, der den Erfordernissen seines Lebens entgegen geht. Solche, die sich für Realisten halten, weil sie bis zu ihrem Ableben keinen anderen Sinn im Leben sehen, als es zum Selbstzweck zu erhalten, sind die wirklichen Träumer.
Es ist bedeutsam, sich zu vergegenwärtigen, dass die Arbeit, die man in sich und seinen Geist investiert, einen bleibenderen Wert besitzt als alle materiellen Güter und Rücklagen. Diese werden nach dem Ableben des Menschen allenfalls der Nachwelt noch dienlich sein. Jenes geistige erworbene Gut nimmt der Mensch jedoch mit; es ist als einziges geeignet, ihn als Bordgepäck auf seiner Reise zu begleiten. Er braucht keine Angst vor dem Tod zu haben, denn er hat echte im "wahrsten Sinne des Wortes" Vorsorge getroffen.
Viele Kulturen vor uns haben diese Bereiche intensiv erforscht und waren geradezu Meister in der Bewältigung der sich nach dem Tod stellenden Fragen.
Der heutige Mensch sollte sich vor allem aus seiner Vermessenheit herauslösen, in dem er glaubt, dass alleine unsere moderne Kultur aufgrund der vorhanden Technisierung etwas zu den letzten Dingen der menschlichen Existenz zu bieten hat. Es ist gerade umgekehrt, denn aufgrund der Hochtechnisierung sind die zentralen Lebensfragen abhanden gekommen, die in früheren Kulturen Allgemeingut waren. Diese betreffen das Menschsein an sich - die Zeit unserer Existenz -, und was der einzelne Mensch aus sich macht, ist das Primäre, alles andere ist nur Beiwerk, das aufgrund eines geistigen Werteverfalls einen zu großen Stellenwert erhalten hat. In diesem Sinne wünsche ich Ihnen viel Inspiration bei der Erweckung des inneren Menschen.
Herzlichst
Randolf Maria Schäfer
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